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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

des leeren Raumes in Bienenstöcken, die Konsumtion des Honigs im Winterward zu verhindern gesucht, das Vereinigen der Stocke erzielt und Hilsssütte-rung vorgeschlagen. Eine der übelsten Seiten menschlicher Thorheit undSchwäche ist aber die längste Zeit hindurch über alle Untersuchungen, die Bienen-zucht betreffend im 18. und selbst einem Theile des 19. Jahrhunderts geschwebtund hat alles klare Urtheil verdunkelt und den ruhigen Verstand umhüllteine verzärtelte Empfindelei nämlich, ein mattherziges Sensibiliren bis aufdie Zeiten Morlot's, Ramdohr's und v. Ehrenfels', von wo an erstruhige Beobachtung begann.

Die naturgeschichtlichen Verhältnisse der Bienen, so nöthig es wäre, selbe hierauseinanderzusetzen, halten wir für unpassend, wohl aber muß das Summariumdes neuesten Wissens über diesen Betriebszweig noch Platz finden. Die besondereLehre desselben aber behandelt vorerst die Vermehrung der Bienen, das Ein-sangen der Schwärme, die Bienenpflege bezüglich ihrer Ernährung und ihresAufenthaltsortes und des Schutzes gegen Unfälle, endlich der Ernte.

Man vermehrt aber entweder nun die Bevölkerung ein und desselben

Stockes durch die Stärke und den Raum dieses letztem, durch Mehrung der

Drohnen und durch gute Weide und Schutz gegen üble Witterungsverhältnisseoder man vermehrt die Stöcke selbst durch neue Colonieen Schwärme (Vor-Nach- und Jungsernschwärme), deren Auftreten durch verschiedene Kennzeichenwohl zu bemerken ist. Durch niedere Temperatur, den Mangel einer Königinoder die Unfähigkeit derselben zum Fluge, wird das Schwärmen verhindert.Bei gutem Zustande der Mutterstöcke ist die Vermehrung der Bienen durch

Schwärme bedeutend und da jeder junge Schwärm Honig mit fortnimmt und

dem Mutterstocke Verlust bringt, so ist eine zu große Vermehrung bezüglich desReinertrages deßhalb aber nur züchtet der Landwirth Bienen! selbstschädlich. Deßwegen nun ist auch die von Schirach gefundene und ehemalsmit so großem Eifer aufgegriffene Ablegerbildung wieder zu Grabe gegangen.Nachdem, was wir darüber schon oben sagten, wird die Bildung von Ablegerngeschehen können durch Theilung des Volkes in zwei Theile, wovon der einemit der Weiselbrut zurückbleibt, der andere aber mit der alten Königin getrenntwird, oder man gibt dem abgesonderten Volke ein Stück brauchbarer Bruttasel,kurz man theilte die Stöcke und rechnete darauf, daß die Bienen im Standesind, aus den bereits gefüllten, nicht über 3 Tage alten Larven der Brutzeltensich eine Königin zu erziehen. Die zu starke Vermehrung oder das zu häufigeSchwärmen der Bienen hat auch noch häufige Weisellosigkeit zur Folge undBildung schwacher Stöcke, die nicht den zur Ueberwinterung nöthigen Vorrathzusammenbringen.

Die Ernährung der Bienen pflegt man in eine natürliche und künstlicheeinzutheilen. Was das Erstere sagen will, ist klar, unter künstlicher Ernährungaber versteht man die Vorlage von Honig, Zucker, Syrup rc. Surrogate sollenimmer zu einer Zeit gereicht werden, zu welcher die Bienen noch arbeiten, da-mit sie das vorgelegte Futter in die Zellen tragen und einschließen können.

Keine andere Sorge hat die Bienenväter mehr beschäftigt, als die Aufent-haltsorte derselben, da den Bienen die atmosphärischen Einflüsse überhaupt sonachtheilig sind. Verbannung von Luftzug, Nässe und Kälte, Erzeugung einergleichförmigen günstigen Temperatur, Abhaltung des Lichtes sind Grundforde-rungen für die Construction der Bienenwohnungen. Daß aber die ökonomischenVerhältnisse dabei Grundrücksicht bleiben, versteht sich von selbst. Höhlungenin Waldbäumen (Beuten) der alten Zeidlerei, dann ausgehöhlte Klötze beizahmer Zucht (Klotzbeuten und Klotzstöcke) waren die ältesten Formen, ihnen