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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Bienen- und Seidenzucht.

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folgten die Strohkörbe später und damit bezeichnet die Jmmenzuchtgeschichte eineneue Epoche die der Schwarmbienenzucht. Der kleinere Raum der Stroh-körbe erzeugte nämlich häufige Schwärme, die man sich erhielt, den Mutter-stammstock aber beim Schneiden geradezu vernichtete (Schwefeldampf) Mord-bienenzucht. Thörichte Empfindelei strebte entgegen, da doch die Praxis dieVortheile dieses Verfahrens und die Nachtheile allzugroßer Vermehrung gezeigthatte.

Wenig fruchteten die Vorschläge Knauf's und des verdienstvollen B. v.Ehrenfels, den volkreichen Körben weisellose Stöcke als Aufsätze zu geben odervolkarme Körbe mit dem Mutterstocke zu vereinigen. Ramdohr hat das Nach-theilige dieses Verfahrens, besonders bezüglich des zu frühen Schwärmens hin-länglich gezeigt.

Mit mehr Recht Epoche machend wird aber das von uns schon erwähnteEinführen der sogenannten Magazin-Stöcke betrachtet, welches im Anbringenvon An-, Auf- oder Untersätzen an die Wohnungen, oder von Lager-Magazinenan den Seiten derselben besteht. Hiedurch nun ward die leichtere Vereinigungder Bienen ermöglicht und ihrem häufigen Schwärmen Einhalt gethan, auchdie Ernte (das Zeideln) leichter ausführbar gemacht. Statt der Körbe wurdennun viereckige Kästchen eingeführt, welche unter oder nebeneinander angebrachtwurden, wie eben die Arbeit der Bienen fortgeschritten war. Die Art der Ver-einigung geschah aber bald in horizontaler, bald m verticaler Richtung, bald inbeiden zugleich. Fast alle berühmten Bienenväter haben sich durch Erfindungenhierin auszuzeichnen versucht (Christ, Marton, Dewhurst, Lukas, Ehren-sels, Oehme Chaplovics für den Doppelstock, Nutt, Sternrc.).Im südlichen Europa kennt man keine Bicnenhütten, die Körbe stehen oft geradezuauf der Erde und wir haben sie zu mehreren Hunderten in Griechenland ansonnigen Hügeln mitten unter strauchartigem Thymian und köstlich duftendenLabiaten mit größtem Erfolge gesehen. Je ungünstiger aber das Klima ist, umso besser sei die Bienenhütte cvnstruirt. Doppelte und ausgefüllte Wände,Dachvorsprung, freier Zutritt der Sonne und der Luft ohne zu grelle Ein-wirkung beider find Hauptforderungen für ihre Anlage.

Die Größe der Ernte schwankt zwischen 1824 Pfd. Wachs und Honig voneinem Stocke. Das Wachs beträgt in der Regel 10°/o der geernteten Honigwaben.

Seidenzucht.

So lange die mittlere und neuere Landwirthschaftsgeschichte, selbst in Mittel-europa, eine Literatur kennt, so lange schon nimmt der Seidenbau darin einen nicht eben kleinen Raum ein. Um 560 n. Chr. nach Konstantinopel,1130 von Griechenland nach Sicilien, um 1440 nach Frankreich gebrachtund da unter Sully und Heinrich IV. (15891610) sehr befördert, wuchs derSeidenbau in Europa zu einer außerordentlichen Bedeutung an, so zwar, daßalle nördlicheren Länder eifrig bestrebt waren, diesen mit Beschäftigung sovieler Hände zumal verbundenen Culturzweig bei sich einzuführen. InDeutschland vorkommend nennt schon die heilige Aebtissin Hildegard (st 1180)den Moulbeerboum;" aber Behufs der Seidengewinnung Pflanzte erst vr.Libavius (Liebauf) zu Rothenburg 1599 den Maulbeerbaum und die branden-burgische Prinzessin Elisabeth Magdalena beschäftigte sich ebenfalls um dieseZeit mit der Seidenwürmerzucht. Um 1603 übersetzte Rathgeberin Württem-berg Ol. de Series' Werk, wodurch man, wie es scheint, zunächst auf Ein-führung der Seidenzucht gerieth. Herzog Friedrich legte deßhalb bei Neustadt