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Die Landwirthschaft.
eine Plantage an und noch mehr geschah vom Kurfürsten Johann Philippvon Mainz auf Becher's Einschlag, der nicht minder in Franken und im Oestrei-chischen thätig war und zu Feldsberg eine Plantage für den Fürsten Carlvon Lichtenstein einrichtete. Auch bewirkte er, daß Kurfürst Carl Friedrichvon der Pfalz bei Heidelberg an 20,000 Maulbeerbäume pflanzen ließ. FranzösischeFlüchtlinge thaten Aehnliches in Brandenburg (Potsdam) und Daniel Kraft inSachsen (1676), wo 1746 die Leipziger Plantage angelegt wurde, welcher baldan 13 andere folgten. Auch in Bayern ward durch den Italiener Lucas v.Usfele ein großartiger Versuch gemacht; eine Seidenbaugesellschast bildete sich,Bäume und Eier wurden aus Italien bezogen, das Ganze endigte aber mit großenProcessen und noch größeren Verlusten. In Steyermark ward eine öffentlicheLehranstalt für den Seidenbau bei Gratz errichtet.
Was Weisheit der Gesetzgebung, Freigebigkeit des Staates und Verstanddes Fürsten hierin nur immer leisten konnten, das ward durch Friedrich denGroßen in der Mitte des 18. Jahrhunderts für Hebung des Seidenbaues gethan.Allein weder Friedrich's Talent noch die großartigen deßfallstgen BestrebungenCarl Theodor's in der Rheinpfalz konnten das Grundmittel zur Verbreitungdieses so entschieden nützlichen und wirklich ökonomisch einführbaren Culturzweigesfinden — sie konnten ihn um so weniger populär machen, als sie gar häufigselbst Zwangsmittel nicht unversucht ließen. In Bayern ward um 1781 selbsteine Seidenzucht-Direction und 1783 sogar eine General-Seiden-Direction ein-gerichtet. Eine Actien-Gesellschaft reihte sich daran. Schon 1797 ging Alleswieder fruchtlos auseinander, als man der Zeit nach erst eigentlich hätte recht an-fangen können. Durch Hazzi's und seiner Zeitgenossen Bemühung ward 1821die Seidenzucht von Neuem aufgegriffen und die Seidenbau-Deputationschloß sich 1824 dem General-Comitä des damals sehr regen landwirthschaftlichenVereines in Bayern an. Was hier, das wirkte in Preußen Bolz ano undTürk, in Oestreich Gras Szechenyi, Bathyany, Reichenbach, GräfinEsterhazy und Delta Porta rc. Die Seidenbaugesellschaft in Regensburgmachte bald Aufsehen (1832), aber dieselben Ursachen, welche schon früher allenVersuchen der Art ein ungünstiges Ende verschafften, waren auch jetzt wiederthätig geworden. Man war wohl in Frankreich und Belgien, auch im südlichenOestreich, aber in Mitteldeutschland kaum gescheidter worden. Hier hatten Mangelan Ausdauer der Regierung sowohl wie der Privaten, große Theilnahmslosigkeitan Allem was Neu ist, befehlshaberisches Thun und bureaukratisches Leiten dieserCultur — was der entschiedenste Todfeind aller landwirthschaftlichen Unterneh-mungen ist — neben großen Kosten für ungeschickte Beamten- und Dilettanten-Administration reichlich dazu beigetragen, diesen Erwerbszweig nicht bloß nichtbeliebt, sondern selbst mißbeliebt zu machen. Dergleichen wirkte auch die Ernen-nung eines ehemaligen Militairs, wenig erfahren in den Hauptfragen dieses Cultur-zweiges und Neuling darin überhaupt, zum königl. Seidcnzucht-Jnspector inBayern, eine Stelle, dessen Analogen nur mühsam in der Geschichte gesucht undnur etwa in dem kurpfalzbayrischen Landbieneumeister gefunden wird, dessenJnstallirung auch zugleich das Grabgeläute der Bienenzucht in diesem Landewar. Mit Recht kann von dem rationellen Streben Th. Mögling's in Hohen-heim, von des rastlosen Hlnbek's Bemühungen in Steyermark mehr erwartetwerden, selbst der Frauenverein für bayerische Seidenzucht verspricht Etwas, fallsansteckendes Miasma vermieden wird. Berühmt neben den schon genannten sindferner als ausgezeichnete Seidenzüchter Bonafous, Dr. A. Hoffmann, dessengrößeres Werk zu den gehaltreichsten über diesen Gegenstand gehört, Hout,Kretz u. A. Epoche machend wirkte in der Literatur die Ueberjetzung chinesischer