Fischerei.
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Fischsorten und die Anlage der Teiche gerichtet. Letztere wurde namentlich bei denKlöstern mit Sorgfalt geübt und selbst eine sehr eigenthümliche Teichfelderwirthschasthatte an vielen Orten Platz gegriffen, deren Wesen im Wechsel der flachen Teichezwischen Trockenlegung mit Fruchtbau und Fischbeisatz bestand, eine auch neuerlich»st empfohlene Wirthschaft. Da man in den Schriften der Römer und der Altenüberhaupt viel Treffliches bereits über zahme Fischzucht vorfand, so war es natür-lich , daß man auch sie vorerst zu Rathe zog und sie daher öfter herausgab (1534,1555); es erhob sich auch eine Reihe trefflicher Autoren über diesen Betriebs-zweig, wie Marschalk, Dubray, Heresbach, Mangold im 16. undHeinsius, Thilo, Frommann, Stengel von Cronsels und Stephanvon Schönw alde im 17. Jahrhunderte.
Mästung der Fische, künstliche Befruchtung der Fischeier (Jacobi), Teich-felderwirthschaft, Regulirung des Wasserzufluffes und Reinigung der Teiche (Rohr-sense , Teichentwässerungs- und Reinigungsmaschine) bildeten die Hauptfragen derFischerei-Literaten und Züchter noch im 18. Jahrhunderte. Flemming, Wagner,v. Steinbock, Döbel, Schieber, Kirchmann, Bloch, Jacobi. —Was aber das 19. Jahrhundert darin Neues noch brachte und aus dem Altensich erhielt, das mag die mehr doctrinelle Betrachtung jetzt zeigen.
Aus dem sorgfältigen Studium der Naturgeschichte der Fische (Ichthyologie)gewann man Gewißheit, daß nur zunächst thierisch die Nahrung ist, die sielieben, seltener Schlamm, Moder oder selbst Pflanze. Sehr gefräßig und wenigwählerisch gehen sie Tag und Nacht auf Nahrung aus oder lauern auf sie;,manche verstecken sich in den Schlamm bei starker Winterkälte und halten eineArt Winterschlaf (Aale, Karpfen). Sie athmen durch Kiemen und es ist sehrräthlich, zur Winterszeit die Eisdecke der Teiche und Seen stellenweise zu durch-brechen, um ihnen den nöthigen Sauerstoff zu verschaffen. Die sehr unsichere,von so vielen Umständen abhängige Paarung ist Ursache der nicht noch häufigernVermehrung der Fische, da die Rogener derselben meist eine enorme AnzahlEier enthalten (2—500,000 beim Karpfen). Sie wachsen im ersten Jahre amSchnellsten und so fort bis zum dritten bis vierten Jahre; nach dem sechstenJahre nehmen die Teichfische im Vergleiche mit den früheren Jahren nur wenigmehr zu. Wann man sie als ausgewachsen ansehen kann, ist noch nicht bestimmt.
Hält malt eigene Seen für die laichenden Schlagmütter, eigene Teichewieder für die junge Brüt (Streckteiche), wo sie zu Setzlingen heranreifen, umdann damit die Hauptteiche zu besetzen, so ist das wohl die vollkommenste Fisch-zucht — ein Classenbetrieb. Mischt man Fische verschiedener Arten oder Abartenmit verschiedenem Alter und begnügt man sich, alljährlich nur die größten heraus-zufangen, so ist dieß ein Fehmelbetrieb, der nur für guten Besatz und Entfernungvon Raubfischen sorgt.
Vor allen Fischen der Teichwirthschaft ist durch Genügsamkeit, Fruchtbarkeit'schnelles Wachsthum und wohlschmeckendes Fleisch der gemeine Karpfen ausge-zeichnet. Keine Fischart lohnt ihre Haltung besser, zumal in Teichen mit wildemWasser oder dem Zuflüsse von Flüssen und Bächen, bei thonartigem, fettemSchlammboden, bei freier, sonniger Lage und einigem schattengebenden Busch-werke am Ufer. Auch soll der Teich tiefe Stellen, in der Mitte etwa zu 8 Fußhaben. Erst im fünften Jahre sind sie fortpflanzungsfähig und laichen im Mai,Juni und Juli. Sie erreichen bis zum sechsten Jahre ein Gewicht von 2^—5Pfund. Man weiß von 40pfündigen Karpfen. Sie fressen neben thierischenTheilen auch Schlamm und sehr gern Mist (Schaf- und Pserdemist).
Als klassisch über Fischerei gelten Bloch, noch vom vorigen Jahrhunderte(1782) und neuerlich Hartig.