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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

Thl. Brodteig 2 Thl. Wasser und 3 Thl. Mehl nimmt, wie Norm ist, so ver-flüchtigt beim Backen also nur die Hälfte deS gebrauchten Wassers. Die zumAusbacken nöthige Zeit ist besonders nach der Größe der Brode verschieden.Brode von 8 Pfd. bleiben über 2 Stunde, von 6 Pfd. 1 Stunde und 3pfün-dige etwas über 50 Minuten im Ofen.

Zu den Fruchtfolgen und Bewirthfchaftungsarten

Klima und Boden, Zeit- und Local-Verhältnisse, die Kenntniß der Pflan-zen und beste Benützung Einfluß habender Kräfte überhaupt bestimmen die Be-wirthschastungsart oder das rationelle System.Umstände machen die Wirth-schaft." Demnach ist klar, daß es wohl mehrere für bestimmte Gegenden sehrtrefflich passende Wirthschaftsarten gibt, aber kein einziges allgemein gütiges Sy-stem, am Wenigsten für alle Gegenden der Erde zusammen. Frei und unbestimm-bar wie seine Ursachen ist das Wirthschaftssustem in der Idee.

Anders begreiflich wird man am Euphrat und Tigris, anders am Nil oderder Tiber zu wirthschaften für trefflich halten müssen, noch verschiedener im win-terlich kalten und feuchten Mitteleuropa und nicht ohne Grund hat sich mit Vor-theil an den treffenden Orten Brandwaldwirthschaft erhalten, wie in denNiederungen des nordwestlichen Deutschland's die Torfbodenverkohlung undder daraus eingeleitete Betrieb. Die Spuren größten Alters tragen aber ansich gewiß dieE garten- und Koppelwirthschaften, nebst demUebergangedazu durch die Dreische, bei denen das Niederliegen zu Grasland in zeitweise!Weide reiner Rest ist aus der Uebergangszeit der Nomaden - zur ständigemFelderwirthschast.

Sehr mit Unrecht wird die Dreifelderwirtschaft von den Römern oft her-geleitet oder gar als von Carl dem Großen mit Zwang eingeführt angegeben.Auch sie ward von den Umständen gebildet, wie wir oben gezeigt haben, zunächstdurch Einengung der Waide und geringere Düngung, aber allerdings späterdurch Gesetze sanctionirt. Da man indessen in der Nähe volkreicher Städte beiausgedehnter gartenmäßiger Cultur, wie inBrabant, am Nheine und Maine, umErfurt und Nürnberg rc. schon seit uralter Zeit eine Art Fruchtwechsel trieb undreine Brache nicht hielt, letztere auch durch die Dreische oder Besömmerung eineArt Anbau erfuhr, so konnte es nicht fehlen, daß mit steigenden Bedürfnissenauch die Besehdung der reinen Brache begann, wie dieses bereits schon im 18.Jahrhundert häufig war. Indessen konnten die Männer des Stallfütterungs-Systems und des Kleebaues allein nicht mit ihr fertig werden und in der Thatwar es erstThaer, der durch seine englischen Drillwerkzeuge und die Einführungder Brachsrüchte die Entscheidung herbeiführte.

Wir haben gesagt, daß Umstände, zunächst örtliche Verhältnisse, aber auchKlima, Boden, die Natur der Cultur-Pflanzen und die Culturart selbst bestimmen,welche Pflanze zur Cultur gewählt und wie sie sich folgen sollen, will manden höchsten nachhaltigen Reinertrag gewinnen. Hiefür nun hat die neueste Zeitals Grundregeln festgestellt:

Keine Pflanze soll irgendwo in einer Wirthschaft eingeführt werden, wo ihrdie zum vortheilhasten Gedeihen nöthige Wärme und Feuchtigkeit abgeht. Nichtgenug denn dieß scheint schon ohnedem sehr klar es sollen auch die Varia-tionen des klimatischen Charakters wohl erwogen werden und zumal seine Extreme,um daraus zu folgern, welcher Pflanzentheil irgendwo gerade am Vortheilhafte-sten gezogen wird und dieß im Allgemeinen wie im Besondern.

Dasselbe gilt im Allgemeinen auch für den Boden, obgleich derselbe wem-