Band 
Physikalische Arbeiten der einträchtigen Freunde in Wien. [Erster Jahrgang.]
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Daß im Eingeweide dieser Gebirge, nachdem sie im nassen an-geleget werden, so viele Schlünde und Grotten, die von den Tagwäs-sern itzo durchstrichen werden, entstanden sind, ist ein Gegenstand, wor-über sich unendliche Muthmaßungen, aber wenige sichere Erklärungengeben lassen.

Wir können uns höchstens nur der wahren Ursache dieses wun-derbaren Baues bis auf eine gewisse Entfernung nähern, und dazu ha-ben wir einen einzigen Weg, den uns die Vernunft darbeut: wenn wirmit unsern Gedanken den Lauf der natürlichen Begebenheiten verfolgen,und die Natur eben so dazumal gewirket zu haben vermuthen, wie wirsie itzo wirken sehen. Ich will diese Art Erklärungen versuchen; Dasallgemeine Gewässer verließ also die erhabenem Gegenden, und senktesich nach und nach bis auf das Niveau jener Wasser-versammlung, diewir das Weltmeer nennen. Die befreyten Erdstriche, die aus weichenKalkschichtcn bestunden, und obenher noch mit einer geringeren, undschlammigten Materie bedekt waren, trockneten nach Verhältniß derEntfernungszeit der Wässer aus. Ob dabei eine allgemeine unterirdi-sche Wärme gewirket habe, will ich für dießmal nicht ausmachen. EineAustrockung geschah, sie mag entweder aus dieser Wärme, oder ausWinden und Sonnenschein ihren Ursprung haben. Die oberste Erdrin-de mußte in viele Klüfte zerspalten, in welche sich die Feuchtigkeiten-er damaligen Atmosphäre versammelten, und so weit die Klüftengiengen, eindrangen. Die tiefer liegenden Kalkschichten wurden nachund nach verhärtet, wozu vieleicht die Tagewässer selbst nicht wenigesmögen beigetragen haben. Das in den Grotten häufig abtröpfelndeWasser ist kein anderes, als jenes, welches auf die Oberfläche der Ge-birge fällt, in dieselben Verseigert, die schon hart gewordenen Kalk-schichten durchdringet, und an den Decken der leeren Räume sich sam-melt. Ungeachtet es nun in hellklaren Tropfen herabtreufclt, so ist esdoch mit unendlich fein aufgelößten Kalktheilchen, und einer bindendenMaterie imprägnirt, wodurch nicht nur allein die Absetzung des Kalkech.sondern auch die Verbindung desselben vermittelst eines Anzichungsgesetzesbei den Stalaktiten verursachet wird. Wenn dieses klare Tropfwasserso grosse und dichte Körper erzeugen kann, so scheine ich mir schlössenzu dürfen, daß es im Durchzuge durch weiche Kalkschichten, wobei es

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