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nur für liebenswürdige Naivität. Nach vollendetem Frühstückzogen sich unsere vornehmen Leute nebst Bologneser Hündchenwieder in das Heiligthum deö Pavillon zurück und ließender englischen Gesellschaft auf dem Verdeck Zeit, sich inMuthmaßungen über die Herkunft der Begleiterin des jungenLordS und deren Verhältniß zu seiner Herrlichkeit zu er-schöpfen. Es fehlte nicht an Vermuthungen, die eben nichtin einem sehr christlichen Sinne ihre Entstehung nahmen undwelche zu hören der unbekannten Dame wohl kaum besonde-res Vergnügen gemacht haben dürfte.
Der junge Lord präsentirtc sich gegen Abend wieder aufdem allgemeinen Schauplatz unseres Schiffs, aber in einemso veränderten Aufzuge, daß er kaum wieder zu erkennenwar. Seinen am Morgen getragenen eleganten Reisehabithatte er gegen eine Art von Talar vertauscht, der den Bodenbeinahe berührte und auf welchem alle Farben deö Regen-bogens in der buntesten Mischung prangten. Die Hüftendeü Edelmannes umschloß ein braunseidener Gürtel, au dessenEnden riesenhafte Quasten hingen, und das vornehme Hauptbedeckte eine Mütze, die einem Turban nicht unähnlich sah.An allen Fingern der schönen weißen Hände steckten Ringe,funkelnd von Diamanten, Rubinen und Smaragden, dievielleicht mehr Werth hatten, als die Güter manches deut-schen Grafen. Die Hauptzierde unseres LordS aber bestandin einer Pfeife, deren Kopf vom feinsten Meerschaum undderen Rohr mit der herrlichsten Bernsteinspitze versehen war;auch hingen Quasten herab von einer Größe und Mannig-faltigkeit der Farben, wie sie selten bei deutschen Musen-söhnen angetroffen werden. Gemessenen Schrittes machteLord ... die Runde aus dem ganzen Verdeck und blies