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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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verlieren. Des Morgens sah eS rechts und links so nieder-ländisch aus/ daß wir uns bereits in Holland glaubten/noch segelten wir aber an deutschem Gestade vorüber underst gegen acht Uhr legten wir am ersten holländischen Dorfean/ um Paß- und Mauthgeschichten in Ordnung zu bringen.Unsere Siebensachen wurden indessen keiner Ansicht gewür-digt/ welchen Mangel an Aufmerksamkeit wir uns ohneWiderrede gefallen ließen.

Nur auf einen Mann wurden die Zollvorschriften ange-wendet. Derselbe affertirte den Engländer/ war aber inder Wirklichkeit ein Deutscher/ schien eine schwäbische Kolo-nie anzuführen und hatte für seine Leute etwas mehr Wurst/Schinken und andere» Mundvorrath mitgenommen/ als dieholländischen Zollwächter für nöthig fanden. Unser Mannentging mit genauer Noth der Confiscation aller seiner fah-renden Habe/ nicht aber einer schweren Buße/ die seinenwestphälischen Schinken ziemlich kostbar gemacht haben mag.

Dieser Douanenhandel gab mir die nöthige Zeit/ umeinen Lauf durch das anliegende Dorf zu machen. Ich hatteschon so viel von holländischer Reinlichkeit/ von der Nettig-keit der niederländischen Dörfer/ von dem in den kleinstenDingen sich aussprechenden Ordnungssinn der Holländer undder Wohnlichkeit ihrer Häuser sprechen gehört und ich halteso viel auf diese Vorzüge/ daß ich voll Neugierde meinenFuß auf den holländischen Boden setzte. Meine Erwartungenwurden nicht getäuscht/ sie wurden sogar übertroffen undich lernte bald begreifen/ daß es dem Holländer in seinemfeuchte»/ niedrigen Nebellande auch wohl und behaglich zuMuthe sein kann.

Es ist in der That nicht möglich/ sich ein ruhigeres/

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