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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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deö Ozeanes überstrichet wäre/ dennoch seine Bewohner reich-lich ernährt/ so zwingen unö diese Bewunderung ab undwir können nicht umhin / sie in der Stufenleiter der Völkerhoch zu stellen. Phlegma und Indolenz der Holländer ist 'sprichwörtlich geworden/ man thut aber ihnen sicherlich da-durch in hohem Grade unrecht. Sie zeigen allerdings nichtdie Beweglichkeit des Franzosen/ die Lebhaftigkeit des Ita-lieners / die Rührigkeit des Britten/ die joviale Gemüthlich-keit deS Deutschen; aber an Thatkraft/ an Entschiedenheitdes WillenS/ im Beharren auf einmal gefaßten Entschlüssen/an Ausdauer in begonnenen Unternehmungen und an beson-nener Ueberlegung wird der Holländer von keiner andernNation übertroffen. Wenn er nun eminent praktisch undsein Sinn vorzugsweise auf Erhaltung und Erweiterungmateriellen Besitzes und greifbarer Güter gerichtet ist/ wenner vielleicht einen zu großen Werth auf Gold und Silberlegt / zu sehr Kaufmann ist/ so kann man ihm höhere Rich-tungen und edlere Bestrebungen dennoch nicht absprechen.

Der Holländer hat Gemeinsinn und Vaterlandsliebe/ dasbeweisen seine trefflichen und reich dotirten öffentlichen An-stalten/ das zeigt seine Geschichte/ das hat er in der neue-ften Zeit wieder auf eine glänzende Weise beurkundet. DerHolländer hat auch noch nicht aufgehört / die Kunst zu schätzenund die Wissenschaft höher zu achten/ als dieß sonst HandelS-völker zu thun pflegen. Wie reich sind seine Museen/ wiegefüllt seine öffentlichen Sammlungen l Allerdings steht dasheutige Holland dem frühern nicht mehr gleich/ weder inwissenschaftlicher noch in künstlerischer Beziehung. In denletztvergangenen Jahrhunderten lebten dort Männer/ derenNamen in der Geschichte der Wissenschaft unvergänglich ge-