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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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Augenblicke/ wo er das Kalium entdeckte und zum erstenMale verbrennen sah/ in eine solche Gemüthsbewegung ge.rieth und vor Freude so außer sich kam, daß der sonst sonüchterne Mann mehrere Minuten lang in seinem Laborato-rium herum tanzte.

^ Nichts gleicht in der That der Wonne, die ein Natur-forscher in dem Momente empfindet, wo eS ihm gelingt,der Natur eines ihrer tausend Geheimnisse abzulauschen; woer auf die von ihm an sie gestellten Fragen die erwarteteAntwort erhält; wo er daS Vorrecht genießt, Zeuge vonErscheinungen zu sein, die vor ihm noch kein menschlichesAuge gesehen; wo er die Natur gleichsam zwingt, auf eineWeise thätig zu sein, wie sie es bis dahin noch nicht gewe-sen, sich selbst überlassen, auch nie sein würde. In solchenFreuden findet er auch den höchsten Lohn und den vollstenErsatz für alle gehabte Mühe, Arbeit und Entbehrung undsie wirken als Sporn und Aufmunterung zu weiterem Forschenund fortgesetzter Anstrengung viel kräftiger und nachhaltiger,als alle äußeren Ehrenbezeugungen, als Orden und Golddieß zu thun im Stande wären. Wer für diesen Reiz erfolg-voller wissenschaftlicher Thätigkeit, für den Zauber des Ent-deckens unempfindlich ist; wer einzig nur von den Beweg-gründen der Ruhmliebe und der Eitelkeit sich leiten läßt,der wird, fürchte ich, wie groß auch sein Talent, wie durch-dringend sein Verstand, wie umfangsvoll sein Wissen seinmag, der wird, sage ich, auf dem Gebiete der Naturforschungnichts Bedeutendes leisten. Die alten Adepten waren derUeberzeugung, daß das Gemüth des Forschers in einer be-stimmten Verfassung sein müßte, wenn es ihm vergönnt wer,den solle, in die Geheimnisse der Natur einzudringen und