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deren wunderbares Wirken zu erkennen. Demuth und Be-scheidenheit, ein reiner Sinn und uneigennützige Absichten,das waren in ihren Augen die unerläßlichen Erfordernissefür denjenigen, der mit Aussicht auf Erfolg es zu unter-nehmen wagte, mit den Mysterien der ächten Weltwciöheitund des NaturlebenS sich vertraut zu machen. Dieser An-sicht sind im Grunde alle großen Naturforscher gewesen undderen eigenes Beispiel hat die Richtigkeit dieser Ueberzeu-gung auf die unzweideutigste Weise beurkundet. Wie sollte eSauch möglich sein, daß ein Mensch, der immer und überallsein kleines Selbst als den Mittelpunkt des Ganzen betrach-tet; der nur Sich, nur seinen Ruhm und Vortheil sucht;der die Welt als einen Spiegel ansieht, nur dazu vorhan-den, seine Größe,-seinen Glanz und sein Bild wiederzugebenund zu vervielfältigen; der seine abhängige Stellung so sehrverkennt, um sich selbst als Zweck und alles Uebrigc alsMittel zu setzen; wie sollte eS möglich sein, frage ich, daßein solcher Mensch zu den Höhen der Wissenschaft sich er-hübe, die Niemanden zugänglich sind, alS dem, der denBallast seiner Persönlichkeit wegwirft und im eigentlichstenSinne des Wortes sich selbst vergißt. Wie sollte eS möglichsein, daß ein eitler Selbftling weitgehende Blicke würfe indie Natur, deren Herrlichkeit und Größe eben darin besteht,daß in ihr das unendlich Mannigfaltige, das unzählig Ein-zelne einen Grund und Ursprung hat und zu einem Ganzenvereinigt ist, aus dessen Gliederung die vollendetste Weisheitund Macht leuchtet, gegen welche menschliches Wissen undKönnen alS Nichts verschwindet. Der Quelle alles Seinsund alles Werdens, aller Macht und aller Weisheit nähertsich der Mensch, wenn er seine Beschränkung erkennt, wenn