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überspröde; sie hegen die vernünftige Ueberzeugung, daß derliebe Gott den Wein eben so gut für die Weiber- alöMännerwelt wachsen läßt und stehen daher nicht an, einGläschen Port oder Claret auch öffentlich zu trinken. Mancheihrer Mitschweftern auf dem Festlande sind in dieser Bezie-hung ganz anders; sie seyen einen ganz besondern Werthdarauf, in Gesellschaft auch nicht einen Tropfen Meinesüber die Zunge gleiten zu lassen und wollen dafür angesehensein, als empfänden sie einen wahren Abscheu vor dem herr-lichen Nektar. Daher kommt eS wohl, daß diese kontinen-talen Wetnspröden es beinahe schon für eine Beleidigungansehen, wenn ein aufmerksamer Tischnachbar ihnen einGlas füllen will und daß sie ein derartiges Anerbieten miteinem Tone ablehnen, der nicht viel weniger besagen will,alS: Halten Sie mich für so gemein, daß Sie glauben,ich habe die Gewohnheit, meinen zarten, feinen, weiblichenGaumen mit einem solchen Getränk zu verunreinigen? Ichwill gerne glauben, daß viele Damen den Wein eben sowenig ertragen können, als die Katzen; allein daß dieß beiallen Nichttrinkerinnen der Fall ist, bin ich kaum geneigt'anzunehmen und boshaft genug zu vermuthen, daß doch dieeine oder andere Weinvcrächterin weiß, welchen Geschmackder Traubensaft besitzt.
ES wird häufig der englischen Tischunterhaltung derVorwurf gemacht, daß sie nicht sehr spirituell sei und sichfast zu ausschließlich auf daö Geschäft beziehe, dem maneben obliegt. Hieran ist allerdings etwas Wahres; Bemer-kungen über die Vortrefflichkeit des Bratens, die Zartheitdes Geflügels rc. und darauf sich stützende Einladungen undAufforderungen zum Genusse dieser Leckerbissen hört man in