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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
Entstehung
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115
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Zweifel aus der ersten Quelle, denn Sir Robert und derBesitzer der Krone aller deutschen Weinberge sind gute Be-kannte und alte Freunde, die einander gern eine Gefälligkeiterweisen.

Die meisten Festländer finden in der englischen Sitte,bei Tische keine Flasche zu eigener Verfügung zu haben undimmer nur auffordernd oder aufgefordert zu trinken, eineArt von lästiger Beschränkung. Ich theile diese Ansicht nichtund halte den britischen Gebrauch für socialer und wenigeregoistisch, als den unsrigen; denn jener gibt Anlaß zu ge-selligen Aufmerksamkeiten, welche dieser ausschließt. Da esdie Sitte erfordert, daß der zum Trinken Aufgerufene dieWeinsorte gerade so bestimme, wie der zum Zweikampf Her-ausgeforderte die Waffe, so bekommt man während einesenglischen Mittagessens eine ziemlich große Anzahl verschie-dener Weine zu kosten. Portwein und Bordeaux, Maderaund Champagner, Rheinwein und Constantia, alles wirduntereinander hineingetrunken, versteht sich jedoch in anstän-diger Menge und nicht in Schoppengläsern. ES ist überflüssigzu erwähnen, daß die Damen bei Tische im Punkte des Trinkensnicht Übergängen werden; man fordert sie hiezu eben so gutals die Männer auf; eS besteht aber für jene natürlich nichtdie Verbindlichkeit, daS gefüllte GlaS bis aus den Grundzu leeren. Wenn der Rand des Kelches an den zarten Mundgesetzt worden und dieser einige Tropfen von, flüssigen Inhaltgenippt hat, so ist die weibliche Trinkpflicht erfüllt und eskann somit jede Dame ein Dutzend Mal und noch öfter die Her-auSforderung zum Weingenuß annehmen, ohne besorgen zumüssen, des Guten zu viel zn thun. Ueberhaupt sind dieenglischen Frauenzimmer, waS das Trinken betrifft, nicht so