135
oder den Rcinlichkeitö- und Ordnungssinn nur irgendwiebeleidigen könnte; weßhalb schon der bloße Anblick einerenglischen Bibliothek Vergnügen und Genuß gewährt. Ichkann nicht umhin/ bei diesem Anlaß offen zu gestehen/ daßmir immer einige Schaamröthe inö Gesicht stieg/ wenn ichein deutsches Buch neben ein englisches gelegt sah und Ver-gleichungen zwischen deren typographischen/ Papier- undEinbandbeschaffenheit anstellen hörte. Wie armselig undbettelhaft nahm sich das vaterländische Erzeugniß gegen diesubstauzielle Vornehmheit deS britischen Bandes aus! ESsprang die große Überlegenheit des letzter« so sehr in dieAugen/ daß eS von meiner Seite lächerlich gewesen wäre/dieselbe nicht anzuerkennen. Warum drucken die Deutschenin der Regel ihre Bücher und Zeitungen immer noch auf sounansehnliches'Papier? Diese fatale Frage bekam ich inEngland mehr als einmal zu hören und nicht selten gab zudenselben gerade ein Werk Veranlassung/ das man inDeutschland typographisch schön ausgestattet nennt. WaSsollte/ was konnte ein guter Patriot hierauf antworten?Man darf nicht einmal sagen/ daß deutsche Bücher verhält-nißmäßig wohlfeiler als die englischen seien. Aus eigenerErfahrung weiß ich/ daß Werke wissenschaftlichen Inhaltesin England nicht selten weniger koste»/ als deutsche Bücherähnlicher Art und gleichen Umfanges. So z. D. kostenTurner's Llemvuls ok nur eine Guince und wel-
chen Preis hat Mitscherlich'S/ hat BerzeliuS' Werk?
Um zwei Uhr Morgens trennte sich die Gesellschaft undüberließ sich der ihr so nothwendig gewordenen Ruhe. UnserWirth hatte die große Zuvorkommenheit/ einige seiner Gästeund namentlich auch meine Wenigkeit in die Schlafzimmer