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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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164
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scheu Insulaner ausüben. Die Reinheit/ Weiße und Durch-sichtigkcit der Haut/ welche wir so sehr an den TöchternAlbionS bewundern müssen/ sollten sie wohl nicht zum Theilvon derselben Ursache herrühren, welche der Insel ihrenunvergleichlichen Rasen gibt? Es ist ohne Zweifel derFeuchtigkeit der Atmosphäre, den häufigen Nebeln beizu-mcsscn, daß Englands Boden ein so herrliches und frischesGras bedeckt. Aller aus der Luft sich absetzende Staubwird immer durch die Vermittelung des atmosphärische»Wassers von der Oberfläche der Pflanzen entfernt und derenGewebe geschmeidig und saftig erhalten. Dasselbe Agensfortwährend mit der menschlichen Haut in Berührung, kannnicht unwirksam auf dieselbe bleiben nnd^muß sie frisch,thätig und elastisch machen. Die Bewohner Hollands, derKüstengegenden des nördlichen Deutschlands und der LänderScandinavienS zeichnen sich ebenfalls durch eine reine weißeHaut aus, leben aber auch in einer Luft, der es an Feuch-tigkeit und Nebeln nicht gebricht.

Man zollt, meiner Ueberzeugung »ach, der Wahrheit nurihre Steuer, wenn man behauptet: daß nirgends in derWell so viele NeignngSheirathen geschlossen werden, als aufden britischen Inseln. Eheliche Verbindungen zwischen Per-sonen, die sich kaum gesehen, die von einander besser daszu hoffende oder schon besessene Erbgut, als Gemüth, Ka-rakter und Bildung kennen und die folglich sich weder liebennoch hochschätzen können, kommen weniger häufig, als aufdem Festlande vor. Die Heirath wird als die wichtigsteAngelegenheit de's Herzens behandelt, in welcher mit Rechtdie dabei unmittelbar bctheiligten Personen die Haupt-, dieEltern nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Die