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jungen Leute haben sich häufig schon verständigt/ Mann undFrau zu werde«/ ehe die Vater und Mutter von den« Schritteihres Sohnes und ihrer Tochter Kenntniß haben. In derRegel beobachtet der junge Mann das Mädchen/ auf welchesseine Blicke gefallen sind/ sehr lange und sucht dessen Ka-rakter/ Gesinnungen und Eigenschaften auf das Genauestekennen zn lernen; das Geheimniß seines Herzens wird sorg-fältigst verwahrt und Niemanden/ selbst dem Busen-freunde nicht anvertraut. Hat er nun endlich die Ueber-zeugung gewonnen/ daß der Gegenstand seiner Neigung undAufmerksamkeit als Gattin für ihn passe / dann faßt er seineEntschlüsse/ theilt seine Absichten der seinem Herzen amNächsten stehenden Person mit und schreitet zur Verwirk,lichung seiner Pläne. Wenn nun die Mehrzahl der Heira-then durch die Bande der Liebe geschlossen sind und auf derGrundlage gegenseitiger Hochachtung ruhen/ so kann eS auchan wahrhaft glücklichen Ehen nicht fehlen und müssen jenewidrigen Verbindungen seltener alö sonst wo angetroffenwerden/ welche/ unter dem Einflüsse der gemeinsten Beweg,gründe der Geldliebe und dcS Eigennutzes abgeschlossen / kaumanders als kalt/ gleichgültig nnd langweilig sein können.
Sollten nun glückliche Ehe»/ sollten die zärtlichen Ge-sinnungen der so eng verbundenen Gatten/ sollten die war-men Anhänglichkeitsgefühle derselben keinen Einfluß auf ihreNachkommen ausüben? Sollten Kinder vom Beginne ihresDaseins an in der belebenden Atmosphäre warmer elterlicherLiebe sich bewegend nicht auch in körperlicher Hinsicht an-derö sich gestalten/ als diejenige«/ welche/ gemüthloscn/gleichgültigen/ selbstsüchtigen Eltern ungehörig/ beinaheausschließlich von MiethlingShändcn gepflegt werde» nnd in