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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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166
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der Umgebung für ihre Mühe bezahlter Personen aufwachsen?Ich bin sehr geneigt/ die angeführten Umstände nicht nurin gemüthlicher und moralischer/ sondern auch in physischerBeziehung alS höchst einflußreich zu betrachten und es ihnenzum Theil zuzuschreiben, daß Großbritannien eine so schöneund kräftige Bevölkerung besitzt.

So weit meine Beobachtungen reichen, bestätigen sie dieschon so oft ausgesprochene Behauptung, daß der englischeAdel durch die große Zahl seiner weiblichen Schönheitensich auszeichne und in dieser Beziehung seine plebeischenLandsleute übertreffe. Obgleich dieser Stand an politischerBedeutung, Macht, Einfluß, Ansehen und Reichthum derihm verwandten Kaste Deutschlands unendlich überlegen ist,so theilt er dennoch deren Vorurtheil von Mißheirathen nicht,daS heißt ist nicht mit dem lächerlichen Wahne behaftet:eine eheliche Verbindung mit einer sogenannten bürgerlichenFrau verunreinige sein adclicheS Blut und hänge den dar-aus entspringenden Kindern ich weiß nicht welche Art vonMakel und Unvollkommenheit an. Der britische Edelmannkann keine Mißheirath machen; seine Gattin, stamme sie vondem ältesten patrizischcn Geschlecht ab oder gehöre sie derunbekanntesten plebeischen Familie an, sei sie reich, sei siearm, nimmt den Rang des Gemahles ein und genießt allemit demselben verbundenen socialen und politischen Vortheile.Die Bürgerliche wird durch den bloßen Act der Heirath miteinem Aodleiu»,» rechtlich sowohl als in der öffentlichenMeinung durch und durch geadelt und ihre Kinder werdenfür so vollblütig angesehen, alS zählten sie auf väterlicherund mütterlicher Seite einige Dutzende von Ahnen. Dahersind die Beispiele nichts weniger alö unerhört, daß ein