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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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aller Angelegenheiten so wenig als möglich sich einmischen.Versteht sich von selbst/ daß eS auch Ausnahmen von derRegel gibt und jenseits deö Kanals eS ebenfalls nicht ganzan solchen Vatern und Müttern sehlt/ welche das Recht zuhaben wähnen: über ihre erwachsenen Kinder unbedingt alsüber Unmündige verfügen und namentlich dieselben nachGutdünken verheirathen zu dürfen.

Wenn englische Mädchen sich verehelichen/ so darf manmit Sicherheit annehmen/ daß die Mehrzahl derselben diesenSchritt aus freien Stücken und auf eigene Verantwortlichkeitthun und aus der von ihnen getroffene» Wahl darf mandaher auch aus ihren Karakter/ auf ihre Gesinnungen schlie-ßen. Nun wage ich zu behaupten/ daß wenn dieser Maßstaban die Handlungsweise der sich verheirathenden Frauen-zimmer gelegt wird/ wir in keinem andern Lande Europa'Smehr Uneigennützigkeit begegne»/ als auf den britischenInseln; es dürfte aber auch kein Land geben/ in welchemdie Zahl glücklicher Ehen größer ist, als diejenige/ die inGroßbritannien angetroffen wird. Selbst gewisse Fehlerder Menschen deuten oft auf Vorzüge und Tugenden hin.Nirgends finden häufiger Entführungen oder vielmehr will-kührliche Entfernungen von Frauenzimmern aus dem elter-lichen Hause Statt/ als eben auch wieder in England undBeschreibungen von Ereignissen dieser Art bilden bekanntlicheinen beinahe stehenden Artikel der englischen Zeitungen.IlonorZdl« und ri^ltt I,on»ir>ble Misses sogar verschenkenoft ihr Herz an Männer ohne Rang/ ohne Vermögen/ ohneAussichten; sie opfern denselben nicht selten die glänzendstenVerhältnisse/ die größten Annehmlichkeiten und alle dieGenüsse/ welche eine hohe gesellschaftliche Stellung und