Buch 
Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
Entstehung
Seite
268
JPEG-Download
 

26 «

Einvernehmen und der Friedlichkeit des Verkehres keinen wesent-liehen Eintrag. Ob ein Physiker z. B. die Berührung versetzte-denarriger Körper als Elcctricitätsquclle betrachtet oder derchemischen Theorie huldiget; ob er im Lichte ein eigenthümlichesWesen oder einen Bcmegungüzustand sieht; ob er Magnetismusund Elektricität für einerlei oder für verschieden hält; ob einChemiker die Existenz einer katalntischen Kraft zugiebt odersie leugnet; ob er die chemischen Thätigkeiten der Elementeaus einer ihnen eigenthümlichen Anziehungskraft oder aus demSpiele der Electricitäten ableitet, ist völlig gleichgültig undsolche und noch ganz andere Meinungsverschiedenheiten führennicht zu gegenseitigem Haß und zur Verunglimpfung.

Ein Pauluöischer Nationalist und ein HengstenbergischerOrthodoxer, ein Hegelianischer BcgriffSmann und ein Jaco-bischer Gcfühlsphilosoph, ein GanSischer Jurist und einSavignyscher RechtSgelehrter, ein aristokratischer Politikerund ein Liebhaber der Volköherrschaft, auf welchem Fußestehen diese Leute? Man thut vielen derselben nicht großesUnrecht, wenn ihnen nachgesagt wird, daß sie sich eoi>!»morshassen. Und worin haben diese unerquicklichen Verhältnisseanders ihren Grund, als in dem fatalen Umstände, daß eSin den Gebieten der Theologie, der Philosophie, der Rechts-Wissenschaft, der Politik u. s. w. noch keine obersten Grund-sätze gibt, deren Nichtigkeit von Jedermann ebenso anerkanntwird, als diejenige der Prinzipien der heutigen Naturfor-schung. ES ist in jenen Bereichen des Willkührlichen,Launenhaften nnd Eingebildeten unendlich viel mehr, alsdes Nothwendigen, Vernünftigen und allgemeinen Wahren.Gegen nichts lehnt sich aber ein nur etwas unabhängigerund selbstständigcr Geist mehr auf als gegen die Zumuthung: