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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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durch Rang und Stellung die größte Frau der Erde, istdieß keineswegs durch ihren Körperbau und wenn man inletzterer Beziehung von ihr sagt/ daß sie »ratllsr» liuiö l>itok a lioll^« sei/ so thut man ihr wirklich kein Unrecht.

Indessen muß man sich doch nicht vorstellen/ daß ihrePerson der Grazie ermangle/ sie von der Natur in Bezugauf körperliche Vorzüge stiefmütterlich behandelt worden sei.Wenn eS auch offenbare Uebertreibung wäre/ die britischeKönigin für eine vollendete weibliche Schönheit zu erkläre,,/so hieße es sich eben so weit von der Wahrheit entferne»/wollte man derselben Anmuth und gefälliges Wesen abspre-chen. Der Ausdruck ihres rundlichen Gesichtes hat etwasfrisch Jugendliches/ Einnehmendes und ächt WciblichcS/und ihr Glicdcrbau schien mir von schönem Ebenmaaß undnicht ganz gewöhnlicher Zierlichkeit zu sein: worüber ichmir wohl ein Urtheil bilden konnte/ da das englische Reit-kleid den obern Theil der weiblichen Gestalt deutlicher wahr-nehmen läßt/ als dieß andere Gewänder gestatten.

Der königlichen Person so ganz nahe, verfehlte ichnatürlich nicht/ derselben nicht nur durch Hutabnehmcn son-dcrn auch durch eine tiefe Verbeugung meine Ehrerbietungzu bezeugen, bei welchem Anlaß meiner Wenigkeit die un-verdiente Ehre zu Theil wurde, von der britischen Majestäteines huldvollen und herablassenden Blickes gewürdiget, wieauch durch ein gnädiges Kopfnicken ausgezeichnet zu werden.

Ein Mann, der während dcS Vorüberzuges der könig-lichen Cavaleade seine Stellung neben mir eingenommenhatte und ein täglicher Besucher der Umgebungen desSchlosses zu sein schien, nannte der umstehenden Menge diePersonen, männliche und weibliche, die sich im Gefolge