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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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Victorias befanden und erwarb sich hiedurch bei seinen neu.gierigen Zuhörern nicht geringen Dank. Wer die hohenHerrschaften waren/ habe ich längsi vergessen; «och erinnereich mich aber recht wohl/ unter denselben einige weiblicheSchönheiten bemerkt zu haben/ wie man sie nur jenseits deSKanalö zu sehen bekommt.

Die Zweckmäßigkeit und Paßlichkeit derjenigen Bestim.mung deS englischen Erbfolgegcsetzcö/ welche unter gegebenenUmständen auch die Weiber den Thron besteigen läßt/ istschon vielfach bestritten worden und wird namentlich bei unöentschieden in Abrede gestellt. Wenn die Gesetze der meistenLänder die Frauen in dem Maaße beschränken/ daß diesenur in sehr wenigen Fällen selbstständig handeln dürfen/beinahe überall bevogtet sein müssen/ ihnen namentlich nichtdie geringste Theilnahme an den öffentlichen Angelegenheitengestattet wird und wenn diese Beschränkungen offenbar inder etwas ungalanten Voraussetzung der männlichen Gesetz-geber ihren Grund habe»/ daß die Weiber zur Ausübungpolitischer Rechte nicht hinreichend befähiget seien/ so er.scheinen regierende Königinnen und Kaiserinnen als sehrauffallende und starke Ausnahmen von der allgemeinen Regel.Man sagt unö und gewiß mit vollem Recht/ daß es keinenschwierigern Beruf gebe/ als den eines Regenten und daßgroße Weisheit/ ein ungewöhnlicher Verstand und männlicheEntschiedenheit und Kraft erfordert werde/ um einen Staatzu lenken; und dennoch überläßt ein Land/ welches denFrauen nicht einmal die Theilnahme an der Wahl des Vor.steherö eines Dorfes einräumt/ einem Mädchen von zwanzigJahren die Herrschaft über ein Reich/ in dem die Sonnenie nntergeht. Wer kann leugnen/ daß dieß eine merkwür.