Christliche Zeitrechnung. 147
Dionysischen Aere sich unter den christlichen Völkern weiter verbrei-tet hat.
Ohne der vielleicht willkürlichen Art zu datiren, bei einigen derfrüheren weltlichen Regenten, zn erwähnen, bemerken wir zuerst, daßdie Akten der Kirchcnversammlung zu Augsburg vom Jahre 742, sowie die der zwei noch früheren Kirchenversammlungen Saissons bereitsauf diese Weise bezeichnet worden sind. Der erste Regent, der sichihrer im Jahr 783 konstant und öffentlich bediente, ist Karl derGroße. In den päpstlichen Bullen kam sie Anfangs nur sparsamvor, und noch im Jahre 1098 unterschied Urban II. diese DionysischeZeitrechnung von der nach dem Evangelium gebildeten, welche letzteer um 23 Jahr mehr, also jenes Jahr zu 1121 angesetzt, welcheneue Zeitrechnung wohl keine hinreichenden Gründe für sich hat. Dererste Papst, der die Dionysische Zeitrechnung in seinen öffentlichenVerhandlungen brauchte, und sie dadurch für seine Nachfolger allge-mein einführte, war Eugen IV. im Jahre 1421. HarduinS Behaup-tung, daß sie schon im Anfange des 5. Jahrhunderts in der ganzenChristenheit allgemein gebräuchlich gewesen, hat nichts für sich, daman durchaus keine Spur derselben in den sotis msrtzrum, in denVerhandlungen der Concilien, oder auf den christlichen Grabschrifrenjenes Jahrhunderts findet, in welchem vielmehr die Zeit immer nurauf die, bei den Römern übliche Art nach Konsular- und Kaiserjahrenangegeben wurde.
Die gewöhnlichste Form, unter welcher diese Aere in den älterenSchriften vorkam, ist die sd anno inoarnstioE, mit welchem Aus-drucke bald die Verkündigung Maria, bald die Geburt Christi ver-standen wird.
Petavius hat in seinem bekannten Werke: üootrlns temporum,die Behauptung aufgestellt, daß die Dionysische Aere ursprünglich einJahr mehr als jetzt gezählt habe, und die meisten spätern Chronologenhaben diese Meinung beibehalten. Allein Jdcler, dem wir hier vor-züglich folgen, zeigt in seinem vortrefflichen Handbuch der ChronologieBd. II. Seite 283, daß dieß ganz ungegründet sey, und daß wir dieDionysische Art zu zählen, ganz unverändert beibehalten haben, unddaß überdies Dionysiuö, der Gewohnheit deS ganzen Alterthums gemäß,die Geburt Christi an daS Ende des ersten Jahres der Epoche seinerAere gesetzt habe, nicht aber, wie manche irrig glaubten, an denSchluß LeS ersten Jahres vor dieser Aere. Die Ursache davon liegtin der oben erwähnten doppelten Bedeutung des Wortes Inkarnation,
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