Knebel's Nachlaß.
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Dichterwerke zu übersetzen sind. Bei diesen Ingredienzien, so wichtigsie seyn mögen, fehlt ihm die Hauptsache: der Geschmack. „Viel-leicht wird doch noch einmal," sagt er S. 34, „die Zeit auch überdie Deutschen kommen, wo sie einsehen, daß man Werke deS Ge-schmacks nicht ohne allen Geschmack wiedergeben darf. Die bloßeGelehrsamkeit spricht wahrlich daö Werk keines Dichters auö. Mitihr allein könnte ja der Dichter selbst gar nicht bestehen. — VorKurzem ist mir die Voß'sche Uebersctzung der bukolischen GedichteDirgil'S zu Handen gekommen. Zch kann sie aber durchaus nichtlesen:
Was der mantuanische Schwan in die Saiten gesungen,
Tonet er augenblicklich ihm nach auf dem nordische» Hackbret.
Waö Voß nun einmal selbst seyn will, ist er auch meist: aberwkis würde er seyn, wenn er mehr Geschmack hätte! Wenn er wah-res Gefühl für die Sache, für den Geist hätte, nicht bloß für kahleSylbcnmcssung und Wortstellung. — Voß sieht den Geist der Alte»etwas gespenstermäßig, im kahlen Umriß der Worte, nicht in ihrerSeele. Dessenungeachtet sind mir seine Arbeiten sehr schätzbar, bisauf die Oden dcS Horaz, die ich auönehme. — In Voßen'S „deut-scher Zeitmessung" laufen die vielen prosodischen Spcculationenauf Klcinkrämerei hinaus, die leider allen Deutschen so eigen ist. Einwahrer Dichter fühlt seine Sprache, und weiß, waS darin zu leistenist. Aber unsern Gedichten fehlt eS größtentheilS an Wärme, unddas ist die Hauptsache, die durch kalte Klügeleien nimmermehrersetzt wird. Diese unglückselige Klügelei schreibt sich schon von Klop-stock und Ramler her. Beide haben dadurch ihre Werke verdorben,jeder in seiner Art. Die Einen wollen gar keine Kunst, und die An-dern wollen deren gar zu viel!"
Klopstock scheint überhaupt mit unserm Knebel nicht sympa-thisiren zu wollen, da der letzte jede Gelegenheit vom Zaune bricht,jenem eineö anzuhängen. Indem er S. 64 von den über Friedrich II.erschienenen Schriften spricht, sagt er, daß die besten derselben vonFrankreich gekommen sind, da die Deutschen nichts als abgeschmackteAnekdoten zusammengerafft haben. „So geht es zum Theil auch jetzt(j. I- 1803) unserm Klopstock und Gleim. Posaunen und Lob-preisen ist noch nicht alles. Zumal über Gleim möchte ich gern etwasRassinirteS hören. Mir scheint gewissermaßen sein ganzes Leben eineArt von Wahnwitz gewesen zu seyn. Seine Gedichte, zumal die von dcnletzten zwanzig oder dreißig Jahren, tragen zu sehr das Gepräge davon.
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