358 Körte, Wolfs Leben und Studien.
H. I. Köppen hier, mit dem er sich zur immerwährenden, innigenFreundschaft verband; eine liebe S ele, wie er ihn nannte, gus nun-guam viäit psnäuliorem. Hier wollte er auch sein erstes Werk überHomer herausgeben, aber der Buchhändler Nicolai in Berlin wolltesich damit nicht befassen, und schickte ihm eine abschlägige Antwort.Die Ideen über die Veränderungen, welche mit Homers beiden gro-ssen Gedichten allmäblig vorgegangen seyn sollen, bis sie endlich inder gegenwärtigen Gestalt auf uns gekommen sind, beschäftigten ihnschon lange. Aber durch Nicolai's Weigerung zurückgesetzt, ver-schob er die Publikation bis zum Jahre 1793.
Auch fand er in der Nahe von Jlfeld wieder ein Liebchen, daszwar mehrere Jahre älter war als er, daö ihn aber demungeachtctgar mächtig anzog. Er gedachte der Ehe — aber dazu war seineBesoldung zu klein. Man musste also eine bessere suchen. ZufälliglaS er in einer Zeitung, daß das Rektorat der Schule in Osterodeerledigt sey. Ohne viel Besinnen ging er hin. Aber andere warenbereits früher da gewesen, und die Thüre vor ihm schien geschlossen.Demungeachtct bot er sich den Vorstehern zu einer Probevorlesungan, um die Reise wenigstens nicht ganz umsonst gemacht zu haben.Man schickte ihm das Thema dazu erst den Tag zuvor, und demun-geachtet siel das Ganze so zu seinem Vortheile aus, daß er die Stelleerhielt.
Im Jahre 1782 erschien Wolfs erstes Werk: „Platon'S Gast-mahl." Kenntniß und Bescheidenheit zeigen sich in jeder der kritischenNoten, die er der Schrift beifügte. Sie ward auch von den erstenPhilologen sehr günstig aufgenommen. Gleich nach der Vollendungderselben eilte er, auch seine Hochzeit mit der oben erwähnten Ge-liebten, Sophie Hüpeder, zu vollziehen. Denn in dieser Zeitseines Lebens eilte er mit allem, mit seinem Studium, mit der Her-ausgabe seines Werks und mit seiner Liebe. Alles mußte cito, jacitissime gehe». Viele Mühe machte ihm die Wiederherstellung derganz verfallenen Schule in Osterode. Merkwürdig ist, dass er sicheine ganz unbeschränkte Freiheit in der Einrichtung der Schule zu-sicherte, und daß er, auch das nöthige Vertrauen zu sich fühlend, dieöffentlichen Examina, alö bloße Schaustücke, ganz abschaffte. DieAnstalt hob sich bald unter seiner Leitung. Er selbst gab wöchentlich18 Stunden, und all sein Streben ging dahin, Liebe zum eignenStudiren zu erwecken. Grammatiken gab'ö da nicht: sie entstandenerst unter dem Lehren und Erklären. Jeder mußte sich Regeln ab-