Körte, Wolf's Leben und Studien. . 359
ziehen, und, mit Beispielen versehen, auf das Genaueste niederschrei-ben. Auctorität galt nicht, auch nicht seine eigene. Nur wenigeSchriftsteller ließ er in der Schule lesen, aber diese sehr genau: dochneben den schwereren auch leichtere, und diese letzten bloß kursorisch.Häufig gab er Bücher nach Haufe, AuSzüge daraus zu machen, diedann öffentlich vorgelesen werden mußten. Er ging vorzüglich daraufaus, seine Schüler zn Autodidakten zu machen, wie er selbst es war.Sein Ton mit den Schülern war durchaus frei und liberal, fastvertraulich; manche wunderten sich, daß er seiner Autorität so vieldadurch' vergebe, aber die innere Kraft und Tüchtigkeit bedarf keinersolchen äußeren Behelfe, um fich aufrecht zu erhalten.
Im Fahre 1783 erhielt er von der preuß Regierung einen Rufals Professor an die Universität in Halle. Allein der mit dieserStelle verbundene Gehalt betrug jährlich nur 300 Thaler! Wolfschrieb an den Minister Zedlitz zurück, daß er gern hinginge, abervon solchem Honorar nicht leben könne. Der Minister versprach ihmdemnach 150 Thaler Zulage, und Wolf zog nach Halle. (Heyne,der berühmte Heyne, hatte in Göttingen 800 Thaler Gehalt, aberdie Privata und Privat,ffima ersetzen den Mangel des Honorars.)Reinhold Förster, der von Zedlitz einen ähnlichen Antrag erhal-ten hatte, antwortete demselben, ob er denn glaube, daß man beieinem Zeisigfuttcr Eselsarbcit verrichten könne. —
Die erwähnten und manche andere hier nicht angeführten Voea-tionen an fremde Lehranstalten und Akademien machten den jungenMann keineswegs läßig. Nur Menschen von eitlem Ehrgeize werdendurch frühe Ehre gesättigt, die andern aber noch mehr angereizt, in-dem sie daS bereits Erhaltene nicht als Belohnung, sondern als Ver-pflichtung zu größern Leistungen betrachten. In der Ankündigung derUniversität wurde gesagt, daß „der geschickte und gelehrte Wolf alsord. Professor der Philologie mit 300 Thalern angestellt sey." Esist interessant, zu sehen, was von dem geschickten und gelehrten Wolffür diese 300 oder 450 Thaler alles gefordert wurde, wie man inder VI. Beilage zu der gegenwärtigen Schrift (Vol. II. S. 2l0)lesen kann. Als er in Halle ankam, erhielt er ein Schreiben vonBerlin, in welchem man ihm sagte, wie eS mit der Zulage von jenen150 Thalern zu halten sey. „Wenn Sie," heißt eö in dem Briefe,„den akademischen Lsprit üo corps kennen lernen, so werden Sie fin-den, daß ,zu 150 Thalern, die vacant werden, 150 Compctenten sind,wovon sie sich 149 zu Feinden machen werden, wenn Sie ihnen im