360 Körte, Wolfs Leben und Studien.
Wettlaufe zuvorkommen sollten. Sie werden überhaupt gar sonderbareKauze unter Ihren Collegcn, sonderlich unter den älteren, kennenlernen."
In Halle lebte er übrigens, dieser Aspekten ungeachtet, sehr zu-frieden. Den größten Theil deS TagS war er in seinen Büchern be-graben; die übrige Zelt nahmen seine vielen Collegien und die Er-zi.hnng seiner drei kleinen Töchter in Beschlag. Der letzten widmeteer alle Sorgfalt. Schön von den ersten Wochen nach der Geburtwurde für sie, in Beziehung auf Schlaf und Nahrung, später aufUnterricht und Bildung, eine feste, unwandelbare Ordnung eingeführt.Der Vormittag war den geistigen und erregenden, der Nachmittagden m.hr mechanischen Urbungen gewidmet. Beim Unterrichte standdie alte Horazische Regel oben an: Ouiogmü provoipios, biovis eslo.Vor allem gewöhnte er die Kinder früh an gnstige Thätigkeit, undmuihete ihnen absichtlich mehr zu, damit sie sich an das Schwereregewöhnen und ihre geistige Kraft üben lernten. Alles, waS die Kin-der trieben, mußte möglichst vollkommen getrieben werden; selbst dieAussprache, selbst die Spiele. An eigene kleine Aufsätze, meist übersich selbst, in Form von Tagebüchern, wurden sie früh gewöhnt, weildieß mehr anregt, als das Lesen fremder Bücher. Auch sonderbareUebungen in der Geduld wurden eingeführt. So mußten die Kinderhäufig zusammenzählen, wie oft dieses oder jeneö Wort, diese oderjene Partikel in einem Buche deö TaeituS oder des Cicero vorkomme,und, wenn sie's gut gemacht hatten, war eine bedeutende Belohnunggewiß, so wie im Gegentheil der heftigste Tadel. Manchen schiensein Benehmen zu den Kleinen, die er unendlich liebte, sich zurStrenge hinzuneigen. Auch fehlte cS nicht an vielen Wunderlichkeiten.Wolf hielt z. B. ganz und gar nichts auf Träume, und konnte ver-drießlich werden, wenn man in Gesellschaft einen Werth oder eineBedeutung darauf legen wollte. Einst überraschte er die kleinen Mäd- ^chcn, wie die eine der andern ihren Traum der letzten Nacht erzählte:„Waö heißt daö," fuhr er sie an; „dummeS Zeug, du sollst nichtträumen, und von heut' an wird nie mehr geträumt." — Mit seinerFrau lebte er die ersten zehn Jahre ihrer Ehe gut. Er forderte ebennicht viel von ihr, da ihm seine Bücher über alles gingen. Sie wareine sogenannte kalte Schönheit ohne viele Reize, die noch dazu, derhäufigen Wochenbetten wegen, schnell verblühten. Sie schien nichtsdagegen zu haben, wenn er sich, eines neuen Buches wegen, aufmehrere Wochen von Tisch und Bett trennte. Bei dem äußerst kar-