Körte, Wvlf's Leben und Studien. 361
gen Gehalt lebte er eigentlich größtentheils von ihrem mitgebrachtenVermögen, daS sonach immer kleiner wurde. Dcmungeachtet schien eSsie wenig zu bekümmern, wenn von Zeit zu Zeit ganze Kisten vonFolianten und Quartanten vor dem Hause abgeladen wurden, die ostgroße Summen kosteten. Ja sie freute sich einst der Erzählung einesseiner Freunde, dessen Frau, alö sie bemerkte, wie ihr gelehrter Manneinen AuktionS-Katalog fast ganz anstrich, ihm zum Weihnachtsgeschenklieber gleich die ganze Bibliothek, die sie vor der Auktion heimlicherkaufte, vor die Thüre führen ließ. — Allein nicht immer ging esso fort. Ein gewisser Geist deS Widerspruchs und ewige, grundloseAber legten den Grund zu manchen häuslichen Zwisten, die mit derZeit häufiger und heftiger zugleich wurden. Dazu kam mindere Sorg-falt für häusliche Dinge und selbst Mangel an Reinlichkeit, so daßer selbst sich gezwungen fühlte, sich des HauSwesenS anzunehmen.Auch Eifersüchteleien fehlten nicht, da sie die ältere war. Diese Uebelalle wuchsen mit der Zeit und nagten an dem Glücke beider. Ertrennte sich endlich im Jahr 1802 von seiner Frau nach gegenseitigerfreier Nebereinkunft. Er wurde deshalb hart getadelt, denn die Freundeder Frau erhoben ihre Gutmüthigkeit, ihre Treue und Duldsamkeitu. dgl., während die näher Unterrichteten den Schritt nur billigenkonnten. Er aber ging, ohne sich um Lob und Tadel zu kümmern,seinen Weg. Man kennt die Antwort, die Aemilius Paulus,der sich auch von seiner Frau scheiden ließ, dem Tadel seiner Freundeentgegensetzte. Er zeigte ihnen seinen Schuh: „Seht," sagte er, „ister nicht schön und scheint er nicht gut, und doch weiß keiner voneuch, wie sehr er mich drückt." — Auch müssen eS nicht immer indie Augen fallende, sogenannte grobe Fehler deS einen oder deS an-deren Theiles seyn, die eine Ehe unglücklich machen. „Wie die Aerzte,"sagt Plutarch in seinen moralischen Abhandlungen, „diesenigen Fieberfür die gefährlichsten halten, wklche aus mehreren, nach und nachzusammentreffenden Umständen entstehen, so wird auch die Harmonieder Ehe am meisten gestört durch sene kleinen, versteckten, aber fort-dauernden Mißhelligkeitcn zwischen Mann und Frau."
Wolfs Vorlesungen in Halle fanden bei den Studenten wenigAnhang, sie wurden nur selten besucht und trugen daher auch nurwenig ein, worüber er sich oft und bitter beklagte. In den folgen-den Jahren wurde es etwas besser, und nun erwachte auch seinegeistreiche und lebenslustige Geselligkeit wieder. Sein Haus konntefortan ein gastliches heißen, und die Freunde der Tafel und des