Band 
Erster Band.
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Körte, Wolfs Leben und Studien.

BecherS waren darin nicht selten. Aus nüchternes Maßhalten nieängstlich bedacht, wurde dem BachuS wohl öfter zu viel geopfert.Ueberhaupt war er, in geschäftssreien Stunden, dem sinnlichen Lebenzugethan; die sogenannten Leidenschaften (Passionen) nahm er meistin Schutz, als die Quelle alles höheren StrcbenS; doch warnte ereifrig seine jüngeren Freunde vor allem Uebermaß. Wenn er sichaber selbst einem Genusse überließ, so geschah dieß mit einer soharmlosen, totalen Fröhlichkeit, daß er auch die anderen gewöhnlichmit hineinzog. Wenig um die Meinung der Welt bekümmert, erfreuteer sich seiner Kraft auf seine Weise. Auch war er überall willkom-men, weil er nie ein Spiel oder einen Scherz verdarb, und Allenund Jeden irgend ein Interesse abzugewinnen wußte. So fand ersich denn auch bald mit den Studenten auf einem guten Fuß. Täglichsah man ibn, vor Tische, von einem ganzen Schwärm derselben be-gleitet, spazieren geben. Dieß waren seine heitersten und für jeneJünglinge die lehrreichsten und nützlichsten Stunden. Er schien nurder älteste unter ihnen zu seyn, aber unvermerkt zog er die Bestenderselben hinauf in seine eigene großartige Bahn. Prunk und leeresVornehmthun war ihm überall, besonders aber unter seinen Schülern,herzlich zuwider. Dergleichen, sagte er, muß denen überlassen bleiben,die ihren gelehrten Jammer dadurch zudecken wollen. Im Lehrfacheselbst galt ihm der goldne Wahlspruch: „Die AnfangSgründe jederWissenschaft müssen vollständig gegeben und aufgefaßt werden, damitder Jüngling selbst den weiteren Weg finde, so daß also der akade-mische Unterricht nur Anleitung seyn soll, cö künftig weiter zubringen, als der Professor selbst es gebracht hat."

Unter den Professoren in Halle liebte er vorzüglich den ehrwür-digen Semler und Rcinhold Förster, welcher letzte bekanntlichmit Cook die Reise um die Welt gemacht hatte. Beide waren inallen Beziehungen tüchtige und wackdre Männer, der letzte unter an-dern: auch einer unserer allzeitfertigen Schriftsteller, was er aber meistnur äs psns luorsnäo treiben mußte. Als Katharina II. von Ruß-land starb, trug ihm der Buchhändler Dreissig gegen ein namhaf-tes Honorar, die Biographie der großen Frau auf, und drang aufdie größte Eile. Nach acht und vierzig Stunden war das Buch schonfertig, und eben so schnell beinahe wurde es gedruckt. Als nun För-ster am Abend des nächsten Tags seinem Freunde Wolf begegnete,scherzte ihn dieser mit der Frage an: „Nun, mein Liebster, ist IhnenIhre schnelle Katharina wohl bekommen?"— Förster war, da er sich