Körte, Wolfs Leben und Studien. 363
um den Haushalt gar nicht annahm, immer in Geldnoth, und ver-säumte nie bei jeder Gelegenheit, dieß der gräulichen Nüchternheit deSlieben deutschen Vaterlandes zum Scandal anzurechnen, nicht beden-kend, daß die Schuld an ihm selbst liegen könnte. In solchen Ver-legenheiten wandte er sich dann meist an Wols, und als dieser seinenHomer für daö Halle'sche Waisenhaus herausgegeben, und in derVorrede jeden anzuzeigenden Druckfehler zu bezahlen versprochen hatte,suchte Förster Tag und Nacht nach diesen Fehlern, die er dann auchtreufleißig in Geld umsetzte. — Einen andern werthen Freund gewanner an Reiz, der damals eben in Halle seine Frau abholte, die ersich vorher durch einen Freund nach einem bestimmten Recepte hatteauswählen lassen. Dies Recept enthielt unter andern die Stelle: 8>tprodis oommoüisgus moribus, ingsnio mso sstis spts, rei, non lilo-rsriso, seä culinarluo pvrits ot guso üiüioit sou pingero, non uou-,Nimbus punZoro. Als ihn bald darauf eine Dame von Rang fragte,ob seine juuge, eben abwesende Frau schön sey, sagte er, daß siewohl angenehm, aber mehr häßlich als schön sey, daß er sich übri-gens der Frage sehr wundere, indem ihm die große Achnlichkeit derDame mit seiner Frau schon früher aufgefallen sey. Einer anderensehr schönen Dame von Stande, der er in Karlsbad aufgeführt wurde,und die ihm sagte, daß sie bloß ihrer Gesundheit wegen hieher ge-reist sey, antwortete der gelehrte Reiz nicht ohne einen galant seynsollenden Bückling: „sollten die gnädige Frau nicht noch einige andereNebenabsichten dabei gehabt haben?"
Nachdem unS unser Verfasser auf diese Weise das häusliche undgesellige Leben des seltenen Mannes näher kennen gelehrt hat, gehter S. 141 zu seinen amtlichen Verhältnissen als Lehrer und Vorsteherder Halle'schcn Erziehungsanstalt über. Hier werden zuerst die wahr-haft trefflichen Einleitungen angeführt, die Wolf von Zeit zu Zeitden LectionSverzeichniffen der Akademie beizufügen pflegte. Es wäresehr zu wünschen, daß diese Vor- und Anreden gesammelt und derZukunft erhalten würden. In einer derselben, um nur ein Beispielzu geben, sprach er über das Motto: biusgusm est, gut ubiguo est,und mahnte die Studirenden auf das Dringlichste ab von jener heil-losen von jenem schalen Allerlei-Treiben und flüch-
tigen Hin- und Herstudiren, von jener leidigen modernen AllerweltS-gelehrsamkeit, die sich damit brüstet, mit allen Musen gleichsam inEiner Umarmung zu leben; die sich gar trefflich dünkt in ihrer Uni-