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Erster Band.
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365
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Körte, Wolf's Leben und Studien. 365

dem Born entquellend, nicht zu Außerwesentlichem abschweifend, unddoch alles wichtige mit mächtiger Hand umfassend. Bei Erklären deralten Autoren ging er, wo es nöthig, bis in die geringsten grammati-kalischen Kleinigkeiten herab, aber immer fern sich haltend von demSpitzsinn, wie er's nannte, der Härchen spaltet, um dem Unkundi-gen eine bewundernde Maulsperre abzugewinnen. Die Elegantenund sogenannten Liebhaber in Kunst und Wissenschaft waren ihmhöchst zuwider, da sie, sagte er, nirgends auf den Grund kommen,und immer nur die Oberfläche beschlcckern, und da sie nichts gründ-lich, aber dafür alles recht charmant wissen. Eben so eiferte ergegen jenes steife Besser- und AlleS-Wissen so vieler Gelehrten, undbekannte dafür oft und gern seine eigenen, frühere» Irrthümer. An diesenBekenntnissen aber erkennt man meistens am sichersten das wahreVerdienst, wie dieß auch schon Celsus in Beziehung auf ein ähnli-ches Geständniß deü Hippokrates gesagt hat: chovla ingenis, gulsnilril Iisbont, nilül sibi «letrslumt: mazno inzenio, mullagus nilülomi-nus kabituro, eonvknit 8implsx vsri srroris conksssio. — JedeSneue Collegium pflegte Wolf mit der Mahnung zu beginnen, daßnur derjenige den Studien recht obliege, der für sich und für das Leben,nicht aber füd die Prüfungen studire: perverse stuüent gui examini-dus sluüent: reote sulem, gui sibi et vitse. Nicht dem Lehrjungender Handwerker mögen sie gleichen, der nur den Tag, wo er Gesellwerden soll, im Auge hat, sondern aus die wahre Meisterschaft sollensie denken. Den alten Griechen und Römern sey daS Wort und dieSache, die wir durch Eramen bezeichnen, in diesem Sinne ganz un-bekannt gewesen. Dafür sey aber die alte Welt mit viel mehr Weis-heit und mit viel weniger Schreiberei regiert worden. Denn auchdie Jünglinge der Griechen und Römer mußten sich Prüfungen unter-ziehen, wenn sie in den Staatsdienst treten wollten; aber da wurdensie nicht gefragt, wie viel sie in diesem oder jenem auswendig gelernt,sondern ob sie durch Charakter, Geist und Denkungsart sich tüchtiggemacht hätten, zu leisten, waS der Staat von ihnen fordere.

Daß er die Philologie und die Kenntniß der alten Sprachen fürsehr wichtig, für den Grund aller wissenschaftlichen Bildung hielt,darf nicht erst gesagt werden. Er hatte nichts dagegen, daß manz. B. das jetzige Recht von dem römischen so viel als möglich unab-hängig mache, und daß die Mediziner nicht mehr nach Hippokratesund Galen kuriren — ja er verbat sich selbst einen solchen Arzt, wieer sich einen Koch nach ApiciuS verbitten wollte — aber die Philo-