Band 
Erster Band.
Seite
366
JPEG-Download
 

366 Körte» Wvlf's Leben und Studien.

logic nur zum Behufe der Brotwiffenschaft treiben, sey ganz abscheu-lich, so wie, um damit etwa dermaleinst seine Predigt auszuschmücken.Den Mediziner sprach er scherzend von den philologischen Studiengänzlich frei, denn der brauche überhaupt gar keinen Styl, und sein„ksLips" sei ihm genug, wenn es nur hilft. Die sogenannten Stu-dien der Mediziner und Juristen unserer Tage sah er mit ganz an-deren Augen an, als die philologischen, welche letzten er die wahrennrts8 lidei-slss et ingomE nannte, welchen nämlich die srtes Zoräiüaeentgegengesetzt wären, die nur des lieben Brotes wegen getriebenwerden, guse c>usö8tu8 öt lueri cnu8S cii8cuntur et trsotsulur. „Inden Wissenschaften auf Vortheil und Gewinn sehen, ist unedel undeines Freigebornen unwürdig" habe Aristoteles (?ol. VIII. 2.)gesagt. Aber auch die Medizin z. B- sey eine sr8 iiigenus, wenn sie,wie von CelsuS u. A. behandelt wird, die keine Praxis trieben,welche Praxis (opsram nieresusriLm) man in Rom meistens nur denSklaven überließ. Eben so der Jurist, der eine srtem inZoiuisintreibe, wenn er sich mit der Rechtskunde, als einen Theil der Ge-schichte und Philosophie, beschäftiget; aber nicht, wenn er bloß denu8um prsetioum erlerne, und nur darauf sehe, was seine Kunst fürKeller und Küche einbringe. So machte Wolf seine Zuhörer öfterdarauf aufmerksam, daß die Alten unsere sogenannten Brotstudien garnicht kannten; daß sie nur dann studirten, wenn sie wohlhabend genugwaren, um ein von andern Geschäften freies Leben zu führen, undwenn sie einen Trieb in sich fühlten, ihren Geist auszubilden. Ausdem Schriftsteller« konnte kein Grieche oder Römer sich einen Nah-rungszweig machen, wie bei uns. Daher legten sie sich auch meistensnur auf solche Studien, die ihnen zusagten, die sie um ihrer selbstwillen trieben, und die vorzüglich Geist und Herz fesselten. So ent-standen die Wissenschaften und so kamen sie empor, was bei unsererEinrichtung der Studien in Ewigkeit nicht geschehen würde. Dazukomme noch, daß bei unserer Art zu studircn, das Gedächtniß vor-zugsweise geübt wird, daß wir den meisten Theil unsers Lebens nurdamit zubringen, zu lernen, was die anderen gedacht haben, wodurchwir Zeit und Kraft verlieren, unsere eigene Erfindungskraft in Be-wegung zu setzen. Die Alten im Gegentheile hatten mehr selbst zudenken und zu erfinden. Dieß, und daß sie die Brotstudien nichtkannten, machte sie zu ganz anderen Menschen, und daher kömmt diebarbarische Unterscheidung von Gelehrten und Weltleuten, welche