Band 
Erster Band.
Seite
509
JPEG-Download
 

Spazier, Jean Paul Richter.

509

hindert in die luftigen Regionen der Einbildungskraft zu erheben: erließ den Philosophen hinter sich, um fortan bloß der Dichtkunst zuhuldigen. Dabei ist merkwürdig, daß er Niemand etwas von diesergroßen Aenderung, die in ihm vorging, und von seinem neuen Ent-schlüsse mittheilte. AuS seinen Briefen jener Zeit sieht man, daß ihneine Art von Scham zurückhielt, während ihn zugleich ein heimlichesGefühl seiner innern Kraft antrieb, in der Stille fortzuarbeiten, undauf guten Erfolg zu hoffen. Was er in seinem Busen sich regenfühlte, die ersten Geburtswehen seiner jungfräulichen Muse, bewahrteer für sich selbst und für die Zukunft als ein süßes Geheimniß, daser, ohne alle fremde Hülfe, in seiner einsam-stillen Klause seiner eige-nen Entwickelung überließ.

Diese Erstgeburt unsers Dichters war eine satyrische, in welcherder Witz die Hauptrolle spielte. Als äußere Veranlassung zu derEntstehung dieses Produkts nennt er selbst den Seneca, dessen Ver-trag und Styl ihn damals sehr angezogen hatte, und nebst diesenPope'S Dunsiade und des EraSmuS Lob der Dummheit (onoomiummoricie). In der That wird auch der Leser die Verwandtschaft die-ser Werke mit den grönländischen Prozessen leicht auffinden können.Auch sah er wohl selbst bald, daß er noch nicht ganz auf dem rechtenoder vielmehr auf seinem Wege sey, aber für diese Reise mußteer ihn schon verfolgen! „Mit künftigen Büchern," schrieb er an einenFreund, „werde ich mehr Geld und weniger Tadel verdienen. MeinBuch ist zu jung, um alt zu werden. Uebrigens, die Feile erzieht,aber erzeugt nicht Schönheiten, und nicht bloß der Dichter, auch seinGedicht wird geboren und nicht gemacht. Die Kritik macht die An-zahl der Fehler zwar kleiner, aber auch die der Schönheiten. Undendlich, wenn das Buch eine schlechte Satyre auf Andere ist, so ist eSdie beste auf mich selbst."

Eigentlich schrieb er schon vor diesem Werke ein anderes, kleine-res, das er, wie sein Vorgänger, EraSinus, ebenfalls „Daö Lobder Dummheit" betitelte. Er ließ dieses, als eS vollendet war,einigen vertrauten Freunden sehen, die eS sehr gut aufnahmen, unterdenen besonders ein Leipziger Professor, Seidlitz, der sich selbstanbot, ihm einen Verleger zu verschaffen. — Nun war sein Him-mel offen, und deS Jubels gar kein Ende. Er hatte bereits seitlängerer Zeit Schulten machen müssen, die er nun von dem mit Ge-wißheit erwarteten Honorar tilgen, und wohl noch ein schönes Sümm-