518
Spazier, Jean Paul Richter.
Aufnahme seines ManuscripteS bei einem Berliner Buchhändler gab,dessen Tochter er eben zur Ehe nehmen wollte. Er bot ihm hundert zDucaten für daS Werk, und schickte dreißig sogleich mit dem Zusätze, ^daß er selbst, cö koste waö eS wolle, zu ihm reisen müsse, um den §Verfasser eiüeS so vortrefflichen BucheS persönlich kennen zu lernen.Dieses Ereigniß kann als der wichtigste Wendepunkt seines Lebensangesehen werden, denn eS machte nicht nur der Noth seiner ökono-mischen Verhältnisse ein Ende, eS brachte ihn auch in die Gesellschafthöher gestellter Menschen, nach welcher er sich so sehnte, und die erkennen lernen mußte, wenn er in seinen künftigen Schilderungen auSdem engen Kreise seiner ländlichen Umgebungen heraustreten wollte,und / waS wohl daS Vorzüglichste ist, eS gab ihm daS Vertrauen zuseiner eigenen Kraft und zugleich die Richtung, welche diese Kraftfortan nehmen sollte, um sich auf daS Vortheilhafteste zu zeigen. Die ^Satyre, für die er sich so lange geschaffen glaubte, und von der er .auch unter dem größten äußern Drucke, vielleicht eben wegen ihm, !nicht lassen wollte, wurde nun mit den Werken der milden, mensch-lichen Empfindung, mit den Darstellungen der reinen Phantasie ver-tauscht, und setzt erst stand er fest auf dem eigenen, ihm von derNatur angewiesenen Boden. Auch ergoß sich von diesem Augenblickean der so lang in ihm verschlossene Quell in vollen reichen Strömen,und in den ersten der folgenden Jahre schon förderte er den Hesperus,QuintuS, Firlein, SiebenkäS und andere Werke zu Tage, von denenman, wenn man den Reichthum ihrer Composition und die Ueppigkeitihrer Darstellung betrachtet, kaum begreifen kann, wie sie von einem,auch noch so hoch begabten Manne in so kurzer Zeit vollendet werden ^konnten. Sein so lange gepreßtes und verschlossenes Herz öffnete sich .nun für sich selbst und für die ganze ihn umgebende Außenwelt, die 'Freude kehrte, zugleich mit der Hoffnung, wieder bei ihm ein, und .er begann, das alte trübe weit hinter sich zurücklassend, ein neues,fröhliches Leben.
Fünf Monate nach Vollendung der „unsichtbaren Loge," die imJahre 1793 erschien, ging er an die Bearbeitung des „Hesperus," !die er in nahe zwei Jahren zu Ende brachte. Wie sehr in dieser lZeit seine früher oft zur Misanthropie sich hinneigenden Empfindungen ,milder und humaner geworden waren, sieht man aus vielen Stellenseines Tagebuches, das er sein ganzes Leben durch immer fleißig fort- ^geführt, und von dem wir hier nur einige, in jener Periode daselbst !niedergelegte Zeilen anführen. So freute er sich eines Tages, daß er