Band 
Erster Band.
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Spazier, Jean Paul Richter.

drucks, aus Mangel an Zeit — ich will Dir bloß viel schreiben.Ich habe sie alle zu Freunden. Der ganze Hof bis zum Herzog liestmich. Alle meine männlichen Bekanntschaften (ich wollte, die weibli-chen auch) fingen sich mit den wärmsten Umarmungen an. Knebelwollte mich gerade beim Kopf nehmen, als er mich im Garten fand,da eben Herder mit seiner Frau und zwei Kindern eintrat. Ich lagan seiner Brust, ich konnte vor erstickender Freude nicht sprechen.Herder konnte mich nicht satt umarmen. Ich wollte, es wäre möglich,so unverschämt zu seyn, Dir alles zu sagen. Er drückte mir immerdie Hand, als wir mit einander sprachen, und ich dachte immer: achwenn nur mein Otto da wäre, um das alles mit anzusehen. Siegaben mir ein erdrückendes Lob. Gegen fünf Stunden am erstenAbend sprachen sie immer nur von mir und meinen Schriften. Siewollen mir die berühmtesten Bücher, sagten sie, z. V. den Moniteur (!),durch merkantilische Gelegenheit zuschicken. Und ich bekäme eineSündenbezahlung, sagten sie, da Wilhelm Meister und die Hören zufünf Louisd'or der Bogen abgehen. Ich würde setzt in Deutschlandam meisten gelesen, und in Leipzig hätten alle Buchhandlungen Com-missionen auf mich. Gleim, sagten sie, lese mich Tag und Nacht.Von seinen eigenen Werken sprach Herder mit einer solchen Gering-schätzung, daß es einem das Herz durchschnitt: er will nicht einmaldie Ideen z. P. d. G. d. M. fortsetzen. Das Beste ist, was ichauüstreiche, sagte er, weil er nämlich nicht frei schreiben darf. BeimHimmel — setzt habe ich Muth! Aber ein bitterer Tropfen schwimmtin meinem Freudenbecher. Was Jean Paul gewann, das verliertdie Menschheit in seinen Augen. Ach meine Ideale von großen Men-schen! Ich will Dir'S schon noch erklären. Ich habe in Weimarzwanzig Jahre in wenig Tagen verlebt. Meine Menschenkenntniß ist,wie ein Pilz, in einem Tage mannshoch in die Höhe gewachsen. Wennich nur die Möglichkeit sähe, Dir eine Duodezerzählung von meinerUniversalhistorie zu schenken. Ich bin ganz glücklich, Otto, ganz,und nicht bloß über alle Erwartung, sondern auch über alle Beschrei-bung." — Und so geht es fort noch viele Seiten lang. ^

Noch gesteigerter, wenn dicß überhaupt möglich ist, erscheinenseine Gefühle, so oft er auf seine Göttin, die er in Weimar gefun-den hatte, zu sprechen kömmt. Es war dieß dieselbe Dame, die ihmzuvor zweimal nach Hof geschrieben, und nach Weimar geladen hatte:Charlotte v. Kalb, die, wie unser Verf. erzählt, in einer trübenEhe mit einem Präsidenten, einem zwar sehr vornehmen, aber auch