Spazier, Jean Paul Richter.
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sehr flachen Manne, lebte. Jean Paul hatte sie kaum gesehen, alser auch schon bis zum Auflodern in sie verliebt war, und ihr, derstürmisch glühenden Frau, soll eS nicht besser gegangen seyn. Er er-kannte, wie er sagt, auf den ersten Blick in ihr die Titanide, dasheißt, daS hohe und kräftige weibliche Wesen, das er so lange fürseinen nun bald zu erscheinenden Roman „Titan" gesucht habe. Erwurde so urplötzlich von dieser Titanide ergriffen, daß er schon inseinem ersten Briefe an Otto, gleich nach seiner Ankunft in Weimar,schreibt: „Diese göttliche Frau hat zwei große Dinge: große Augen,wie ich noch keine sah, und eine große — Seele, wie ich sie bisherfür unmöglich hielt. Sie spricht gerade so, wie Herder in seinenBriefen über Humanität schreibt.. Sie ist stark, voll, auch daS Ge-sicht — nun ich werde sie Dir schon schildern. Wenn sie ernst ist,so wirft sie die großen, fast ganz zugcsunkenen Augenlieder himmlischin die Höhe, wie wenn Wolken den Mond wechselweise verhüllenund entblößen. Auch hier sind Weiber! Und wie sich das alleshimmlisch fügt! Sie steht fast mit allen großen Deutschen in Brief-wechsel und mit allen Weimarern in Verbindung. Wir beide bleibenaber am liebsten Abends allein beisammen. Sie ist ein Weib wiekeines, mit einem allmächtigen Herzen" u. s. w. — Und die Titanide?Was sagte sie zu allen diesen Dingen? — Wir wollen sie selbstsprechen lassen. — Hier zuerst als Einleitung ein Briefchen, daS sieam 16. Junius 1796, also nur fünf Tage nach Richter'S Ankunft,an ihrem Morgentoilettentische geschrieben hatte: „Sie haben dochwohl geschlafen? Die Freundschaft hat Ihnen ja diese Wohnstättebereitet. Mir ist'ö wirklich lieb, daß ich Sie nicht mehr im Gast-hofe weiß. Ach sind wir nicht immer in Gast - unv Feilschhäusern,wo alles nur aus Interesse gethan wird? DaS mordet daS Herz!— Kommen Sie heute fa bald zu mir. Sagen, schreiben Sie miraber den Augenblick, daß ich nicht warten darf. Alles Warten zer-stört mich. Ich habe lieber Schmerz des Körpers und der Seele,als Warten. Ich habe Ihnen sehr viel zu erzählen, erstens von derHerzogin, zweitens daß ich Ihren Brief an Otto lesen muß, drittensdaß ich eifersüchtig bin rc. Ich glaube, man wird Sie hier nichtfortlassen. Aber ich lasse Sie fort, denn bei mir muß alles so noth-wendig seyn, wie die Gesetze der Natur — Leben und Tod — Lebenund Ihre Charlotte."
Am folgenden Morgen erwartet sie ein Billet, oder vielmehr,sie kann cS nicht erwarten, und antwortet einstweilen anticipando: