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Spazier, Jean Paul Richter.
„Diesen Morgen erwachte ich, es dämmerte noch. Ich bin aus IhrBillet sehr verlangend, und ich schreibe, eh' ich es bekomme, damitich, so viel ich kann, nüchtern schreibe. — Ach, mein Gott, das istdas Billet! Aber o zeige Dich Niemand als mir. Alle, die Dichfasten, werden für Dich sterben wollen. Nein, um GottcSwillen nicht!Wie in einem Spiegelzimmer 'stehst Du da, und wirfst über alle DeineGestalt. Aber wir, wir sind keine Spiegel, so glatt und kalt. Nein,nein, nein! Eine ibealische Schilderung liebt die Seele, einen ideali-schcn Menschen liebt daö Herz, und, kurz und gut, ich will ihn. AchLieber, rede mit der S.; sie hatte sich gestern Mühe gegeben undschön gesungen — sie zieht mich herab — ich gehe nie allein mitihr — aber sie ist mir gut. — Morgen gehen Sie wohl mit Böl-tiger inS Schauspiel, und zu Herber, und zu Einsiedel? —Alle Welt will ihn haben, bei Gott, alle Welt! Aber nein! Allesollen ihn nicht haben, oder ich vergehe! Zuerst will ich vernichtetseyn, dann können sie ihn haben! Wie oft war ich schon vernichtet,wie oft! — Guter, Du bist zu gut. — Was soll ich über IhrenBrief sagen? Die Sehnsucht fühlte ich auch, als ich ihn laS. Ohätte ich sie noch gewaltiger empfunden!" u. s. w.
Es wird Nef.'n schwer, von dieser schwindelnden Höhe den Ueber-gang zu den mehr prosaischen Vorfällen zu finden, die aus diesemBesuche in Weimar noch zu erzählen sind. Mag daher, in Ermang-lung eines Bessern, die Antwort des kalten Otto als diese Brückedienen, um wieder in das Thal des gewöhnlichen Lebens herab zugelangen. „Deine Kalb," schrieb Otto zurück, „steht durch "dieZeddel, die Du mir von ihr geschickt, ganz vor mir da. Sie ist,wie Du mir schreibst, ganz Woldemarisch. Aber gnade Gott ihremManne, wenn er kein Woldemar ist." -— Wie möchte sich diese Gluthder Titanide abgekühlt und die wogende Lohe ihrer erhabenen Gefühleurplötzlich zersetzt haben, wrnn sie gehört hätte, daß man ihre, ohneZweifel in der Gluth der reinsten Begeisterung geschriebenen Apostro-phen — als Zeddel behandelt, als gemeine Mauthboüeten, unterderen Firma ihr ganzes Herz voll Poesie und überschwenglicher Liebe,und ihre zweigroßen Dinge noch dazu, durch einen bayerischenFuhrmann an einen prosaischen Tölpel nach Hof spedirt worden sind.
Wir lassen nun die Bemerkungen folgen, die I. P. über dieWeimarer Freunde, besonders über Göthe und Schiller, seinemFreunde Otto mitgetheilt hat. Wenn die Meinungen desselben nichtimmer Vortheilhaft für die besprochenen Personen ausfallen, so kann