Spazier, Jean Paul Richter.
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Zu der erwähnten Spaltung zwischen G. und unserm Dichtertrug ohne Zweisel auch die vielleicht zu sehr geschmeichelte Eitelkeit deSletzten sehr viel bei. In Weimar, oder wie er eS nannte „in Jlm-Athen, dieser Stadt Gottes, nach welcher ich von Jugend auf wienach einer Keblah meine Augen gerichtet hatte," in dieser Stadt wurdeer von den ersten Geistern deS Vaterlandes und von ausgezeichnetenDamen aus eine Weise aufgenommnn, die jeden andern eine Weilean sich selbst irre machen und zu Ueberschätzungen leiten mußte, wieviel mehr ihn, der bisher unbekannt, deö öffentlichen Lobeü ungewohnt,nicht einmal den ungetheilten Beifall seiner nächsten Bekannten in Hoferringen konnte. Als er an den Mauern von Weimar, ein armerFußgänger, ankam, sagte ihm der Thorschreiber, daß die Großherzoginan alle Thore den Befehl geschickt habe, ihr seine Ankunft sogleichzu melden. Von diesem Augenblicke sprang er von dem einen Extremeder geselligen Verhältnisse deS Lebens urplötzlich in daS andere über,und die Wolken von Weihrauch, die ihn von nun an durch mehrereWochen ununterbrochen einhüllten, waren so dicht, daß sie ihm, denan solchen Atmosphären ungewohnten, den Kops einnahmen. War erja doch schon durch die eleganten Meubel deS für ihn bereiteten Zim-mers ganz in Entzückung gerathen. „In jedem Zimmer stebt einLicht," erzählt er jubelnd seinem Otto, „und diese Zimmer sind bessermeublirt, als eines im Modejournal; ja sogar schon fertige Bries-couvertS aus dem Jndustriecomptoir, wovon hier eines zur Probe,liegen vor mir. Dazu kommen die wichsenden, kehrenden, klopfendenBedienten. Und welche Freiheit von aller gßrik! Du führst Niemandzu Tisch, Du küssest keine Hand, machest bloß eine stumme Verbeu-gung, und sagst vor und nach dem Essen nichts. Siehst Du, daS istder Ton der hiesigen hohen Welt. Aber der des Bürgers dagegensoll so steif wie meine Halsbinde seyn."
Unser Vers. ist, wie man aus mehreren Stellen seines Buches, jaaus der Tendenz deS ganzen BucheS sieht, der Ansicht, daß JeanPaul vom Schicksale bestimmt gewesen zu seyn scheint, ein ganz neuesund besseres Zeitalter der Literatur herauszuführen, und daß eS dahersehr zu beklagen sey, daß diese wohlthätige Umwälzung durch die Spal-tung zwischen ihm und Göthe aufgehalten, vielleicht auf Jahrhunderteaufgehalten worden sey. Diese neue, ideelle Schule, welche I. P.gründen sollte, würde von ihm viel besser, als von dem in Göthe'SBanden liegenden Schiller repräsentirt worden seyn. Diese Schule,sagt der Vers., strebte in die Zukunft, in das Unerm.-ßliche hinaus,Littrow >- 34