Spazier, Jean Paul Richter.
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gewaltig war, als daß er ihm hätte folgen, geschweige seiner sichhätte bemächtigen können. Seit /euer Spaltung zwischen G. und R.,heißt eü ferner, theilte sich der gebildete Theil der Nation ebenfallsin zwei Partciungen. Wer R. verehrte, war G. abgeneigt, undumgekehrt. Manches Talent sey zu einem Werkzeug der alten Parteigemacht, und dadurch aus seinem Standpunkt geiückt worden, unddazu gehöre vorzüglich Ludwig Tieck, von dem G. recht gut gewußthaben soll, daß er eigentlich auf seine Gegenseite gehörte, daher erauch selbst daS Freundliche von ihm nur mit Mißtrauen und Undankaufgenommen habe u. s. w.
Richter arbeitete nach seiner Znrückkunft in Hof eifrig und mitneuen Kräften an seinem „Titan." In der Vorrede zu diesem Romanwurde bereits der Titanide erwähnt, und wie er sie in dem Werkeselbst darstellen wolle, als ein hohes, edlcS weibliches Wesen, daSgesetzwidrige Liebe für ein Verbrechen, für eine Befleckung weiblicherTugend erklärte. Der Vers. schickte diese Vorrede vorläufig im Ma-nuskript dem Originale des darin gezeichneten Porti äkö zu, und glaubteWunder, wie sehr er dieses Original dadurch entzücken würde. Aberer hatte sich sehr in seinen Erwartungen getäuscht. DaS hohe weib-liche Wesen antwortete anfangs gar nicht, und als R. deßhalb mehr-mals in sie drang, erhielt er endlich folgendes Schreiben: „DaSKödern mit dem Verführen! Ich bitte Sie, verschonen Sie-die armenDinger und ängstigen Sie sie nicht noch mehr. Die Natur ist schongenug gesteinigt. Ich ändere mich nie in meiner Denkart über diesenGegenstand. — Lasse man doch der kräftigen, reifen Menschheit ihrenWillen. Die Natur will, daß wir Mütter werden; vielleicht nur,wie ihr meint, daß wir euer Geschlecht fortpflanzen u. s. w."
Mit dieser Titanide war eS also nichts! Sie flog zu hoch fürunsern armen Dichter, und dieser konnte sich, mit all seiner Phantasie,zu so reinweiblichen, sublimirten Conceptionen nicht emporschwingen.Auch hört man längere Zeit durch nicht weiter, daß sich beide, aufihren zu verschiedenen Wegen durch daS Leben, wiever näher gekom-men wären, einen etwas harten Conflict i. I. 1799 ausgenommen,von dem wir später sprechen werden. Dafür trat ein anderes weib-liches Pbänomen, in ihrer Art nicht minder hochgesinnt, ihm mitoffenem Arm entgegen. Es war dieß die berühmte (oder vielleichtberüchtigt Frau von Krüdener. Sie erschien unverhofft, imAugust 1796, ihn in Hof aussuchend, und stand „in ihrer vollenJugendblüthe, wie ein leuchtender Komet," vor seinen bezaubertcn
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