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Spazier, Jean Paul Richter.
Blicken. So druckt sich nämlich unser Vers. aus. Richter selbstaber sagt: „Sie gab mir eine trunkene Freude, wie ich noch beikeiner Frau gehabt, weil sie ist, wie keine." Und was sagt endlich dieFrau von Krüdener? — „Unvergeßlich," schreibt sie, „ist er mir, undzwar mehr noch aus dem, was ich sah und fühlte, als aus dem, wasich las, wenn ich ihn in seinen Werken bewunderte." — Bei ihremAbschied lud sie ihn nach Leipzig ein, „um ihm dort ihr Herz ganzauszuschließen, die Tugenden und die Fehler dieses Herzens voll Liebeganz offen zu zeigen." — Allein sie konnte dieses vorerst anderweitigbeschäftigte Herz erst nach Jahren in Berlin ihm wieder vorzeigen.
Bald nachdem dieser „leuchtende Komet" vor ihm vorübergezogenwar, erhielt er von einem Unbekannten 50 Thaler durch die Postals Dank für den Genuß, den jener aus seinen Schriften geschöpfthatte. Es zeigte sich später, daß dieser Unbekannte Gleim war.Auch kam ein Brief, in dem ihm die Erziehung der beiden Kinderder Fürstin Hohenlohe unter sehr guten Bedingungen angetragenwurde. Aber Richter wies den Antrag zurück, „weil er nunmehr,nach der Manumission dcS Schicksals, in seiner innern Reichsunmittel-barkeit leben und sterben wolle, und auch so viel zu schreiben habe,daß er, wenn auch der Tod in seinem achtzigsten Jahre erst kommensollte, doch über eine solche Verkürzung seiner Schreibcstunden nocherbittert seyn würde." — Den angefangenen Titan ließ er, wie soviele seiner andern Romane, plötzlich liegen, um ihn später wiederaufzunehmen, und schrieb dafür den Jubelsenior, das Kampanerthal,die Palingenesien u. dergl., mit welchen er den Zeitraum von 1796bis 1799 größtentheilS ausfüllte, einige andere kleinere Schriften nichtgerechnet, wie z. B. die „satyrische Erklärung der Holzschnitte," dieer, wie selbst der für ihn so eingenommene Vers. sagt, besser ganzungeschrieben gelassen hätte. Wir glauben nicht zu irren, setzt derselbehinzu, wenn wir der Erscheinung dieses Werkes besonders eS zuschreiben,daß man später wagte, den allcrabgeschmacktesten Productionen, mitwelchen Speculationssucht das Publikum zu täuschen suchte, seinenNamen vorzusetzen.
*) Um das „wahrhaft Hinreißende" von Richter's Persönlichkeit fürFrauen zu bestätigen, führt unser Verf. hier noch eine Parallelstclle auseinem Briefe der Titanide an, wo sie sagt: „Sey wie Minerva klug undglücklich wie Apoll. — Nur lächle nickn! Ach, Du lächelst so fckwn! DieTöne, die Dein Gemüth ohne Worte gibt, sind wie Harmonikaklang. —Aber ich will still seyn — still!"