Spazier, Jean Paul Richter.
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Wirklichkeit in die verlebte und mißbrauchte Dichtkunst bringt. Ueberdie in Richter's Schriften oft abspringende humoristische Maniersagte er einmal zu ihm: Wenn ich auf einer wüsten Insel wäre, und
bloß Ihre Schriften dort hätte, so wollte ich alle allzuschnell absprin-
genden, oft sich selbst zerstörenden Stellen in denselben aussondern,und zwiefach schönere Werke herausbringen. Ein andermal sagt Her-der zu seiner Frau: Eh' ich die Adrastea schließe, setze ich unsermRichter ein Denkmal, worüber er sich freuen wird, denn ich willDeutschland zeigen, was wir an ihm haben. Man sehe dieses Denk-mal in Adrastea St. I.X und in den Werken zur Lit. und Kunst
Vol. XI. S. 136. — Wenn man dieses Urtheil Herder'S und das
vorhergehende Schlegel'S unbefangen zusammenhält, und von demletzten das LiebloS-Hämische, von Rechtswegen, wegläßt, so ließesich daraus vielleicht die treffendste Würdigung der Werke Richter'sableiten.
Im Anfang deö Jahres 1799 sollte er sich mit der Titanideganz in allem Ernste verheirathen. Man sieht nicht recht, wie beidewieder und auf so große Nähe zusammengekommen sind. Das Endeder Geschichte aber, daß wir eS kurz machen, war ganz dem mit derBerlepsch ähnlich, et slo oum servavit Xpollo. — Da er zu sehrfür Herder Partei genommen hatte, der in und außer Weimar vieleund mächtige Gegner hatte, so brachte I. P. auch sich selbst dadurchin manche unangenehme Verhältnisse. Man sieht nicht eben, daßGöthe in dieser Zeit feindselig gegen Richter gehandelt hätte, aberer konnte, wie unser Vers. sagt, keinen selbstständigen und freimüthi-gen Widerspruch ertragen, während Richter so gern widersprach, umdadurch ohne weitere Rücksicht auf sich selbst oder andere, bloß dieWärme des Gesprächs zu erhöhen. Er erzählt in einem Briese anOtto, daß G. bei einem Diner auf einige freimüthige BemerkungenRichter'S eine Viertelstunde lang empfindlich den Teller gedrehthabe. Böttiger munterte unsern Dichter noch dazu auf, indem erihm sagte, daß er, Richter, glücklich durchführe, was Niemand inWeimar wage, und daß er sich noch überdieß dadurch bei G. beliebtmache. WaS Richter's Meinung über Schiller betrifft, so warendie ersten Vorstellungen von Wallenstein'ü Lager und von den Picco-lomini's in diese Zeit gefallen, und hatten, wie Richter selbst er-zählt, ihn verdrießlich und Herdcr'n sogar krank gemacht durch diesittlichen und ästhetischen Fehler dieser Stücke. Noch schlimmer wurdedieß alles, als die Metakritik von Herder erschien. G. uyd Sch.