Band 
Erster Band.
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Spazier, Jean Paul Richter.

war er sehr gesprächig: er hörte alles, was man ihm erzählte, mitder größten Theilnahme an, und wußte immer etwas daraus zu ma-chen, so daß der Erzähler durch seine eigene Erzählung klüger werdenmußte. Wenn wir mitten im Erzählen Abends in der finstern Stubeauf seinem Kanapee hockten, unterbrach er uns wohl plötzlich: -,Habtihr nichts gehört?" — „Nein," sagten wir. — „Aber ich wohl,"meinte er, und öffnete das Fenster, und langte einen Marzipan her-vor. „Das hat," sagte er, „das Christkind eben sür euch hingewor-fen, ich habe es klappern gehört." — Bringen wir mit dieser liebli-chen Zeichnung einer Mädchenhand noch die Beschreibung des Ein-drucks in Verbindung, den der edle Mann und seine ganze Umgebungauf unsern damals noch jugendlichen, aber bereits sich geistig fühlen-den Verfasser hervorgebracht hat. — Nachdem er uns die Einrichtungder Stuoirstube des OheimS beschrieben hat, geht er zu der Personselbst über: „Je größer," sagt er, „fe größer die scheue Ehrfurchtwar, mit der ich an seiner geistigen Größe und moralischen Strengehinaufsah, desto heimlicher und entzückender war der Gruß des Kind-lichen und Rcinmenschlichen, waS er um sich herum zu betten gewußt.Es war, wie wenn man einer hochaufstrebenden, durch ihre Riesen-arme zurückschreckenden Alpe, auf deren Gipfel donnerschwangere Wol-ken ruhen, mit Furcht hätte entgegengeben sollen, und nun wideralles Erwarten auf den weichsten Sammtfluren und den zartesten Blu-men ausruhen darf, die sich in milven Abhängen an ihr heraufziehen,und die einen desto wonnigeren Genuß gewähren, als sie von denaus dem Schooße der Alpe hervorspringenden Quellen erzeugt werden,und als sie das Auge, zu den erhabenen Felsenformen hinaufschauend,mit dem Größten durch daS Kindliche vertraut zu machen scheinen.So war er, der belebende Mittelpunkt, der Gott der neuen Welt,die er um sich geschaffen hat, hoch und fest gegründet stand er da,jenem Gebirge gleich, und um ihn herum zog sich der BlüthenkreiSder Seinigen." — Aber auch unser Vers. trägt zu der vorhergehen-den Erzählung seiner Cousine noch einige Züge aus Richter'S Still-leben nach, die wir unsern Lesern nicht ganz vorenthalten können.„Benützung der Zeit und Ordnung in allen Dingen waren ihm dieSeele des Lebens. Die Minute, in der er aß, die Speisen jedesTages, die er selbst schon am Morgen bestimmte, die Zweckmäßigkeitder Federn, mit denen er schrieb — dieß waren sür ihn Gegenstände,die er mit der größten Wichtigkeit behandelte. Dabei untersuchte erzu jeder Tagesstunde den Stand des Mondes, den Grad der Tem-