Band 
Erster Band.
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Spazier, Jean Paul Richter.

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peratur der Lust, daS Fallen und Steigen des Barometers u. f. Ab-weichungen von der einmal bestimmten Ordnung konnten ihn oft auf dasTiefste verletzen. Wenn etwas an den einfachen Speisen, die er be-stellt hatte, verdorben oder versehen war, konnte er sich ganze Tageverdrießlich in sein einsames Zimmer zurückziehen. Das Sonderbarstedabei war, daß das Größte hart neben dem Kleinsten in seinem GeistePlatz fand. Mitten in der größten Begeisterung, wenn er seine großenConceptionen zu Papier brachte, konnte er einen auf diesem Papiereherumtrippelndcn Kanarienvogel mit rother Tinte bezeichnen, um ihnvon einem ähnlichen zu unterscheiden, oder eine ihn umflatternde Fliegefür seine Wetterprophetischen Frösche einsangen u. dgl. An seinenFamilienunterhaltungcn mußten auch die Dienstboten Antheil haben.Am 1. April z. B. mußte er alle seine Leute nach der Reihe anfüh-ren, und dann gewöhnlich freudig überraschen, und diesen Genuß durfteihn Niemand verderben. Ich sehe noch sein frohes Gesicht, mit demer die verdutzte Dienstmagd betrachtete, als er sie am 1. April nachdem erst weggekommenen Messer befragte, „das keine Klinge mehrgehabt, und an dem der Stiel abgegangen sey." — Wenn er Obstaß, und der Hund neben ihm verlangend wedelte, hielt er ihm denTeller vor die Nase, „damit er sein nicht zu stillendes Verlangen aus-gebe, und sehe, daß dieß keine Nahrung für ihn sey." Er konnteseine Töchter auszanken, wenn sie im Vorbeigehen zu aufmerksam ineinen Kaufladen hinein sahen, „und dadurch nur in dem Kaufmannedie vergebliche Erwartung erregten, daß man etwas kaufen werde."Besonders trat seine kindliche Gutmütigkeit hervor bei den tausendAnfragen um Rath und Hülfe oder um sein Urtheil über schriftstelle-rische Arbeiten, die er mit jeder Woche durch Besuche oder durchBriese erhielt. Keine derselben, so sonderbar sie auch seyn mochte,ließ er unbefriedigt oder unbeantwortet. So erhielt er z. B. einendicken Brief von einem Manne, der seine Selbstbiographie mit bei-geschlossen hatte, und der von der fixen Idee geplagt war, daß ervon Andern aus der Ferne magnetisch ausgesogen, und seiner Gedan-ken von ihnen beraubt würde, und der zugleich unsern Dichter umseine Verwendung bei dem römischen Kgiser um ein Geschenk vonnicht weniger als 20,000 Thaler bat, vamit er in Muße ein großesEpoS schreiben könne, wobei er zugleich ersuchte, ihm einstweilen 2000Thlr. als Abschlag auf jenes kaiserliche Geschenk vorauszuschicken.

Indeß nahm seine Augenschwäche immer zu und bald fing auchdas rechte an zu leiden. Es wurden Aerzte ohne Zahl und Mittel