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Spazier, Jean Paul Richter.
ohne Ende versucht — aber das Uebel war nicht local, wie er wähnte,eS lag in der immer weiter vorrückenden Desorganisation seines gan-zen Körpers, die er durch seinen eigenen medicinischen Dilettantismusleider noch beförderte. Durch vieles Blutlasscn hatte er seinen Kör-per völlig ermattet. Eine allgemeine Abmagerung desselben war davondie Folge. So ging das fort bis in den Sommer des Jahres 1825.Im Oktober dieses Jahres hatte sich bereits eine Bauchwassersucht beiihm gemeldet, nnd seine Füße singen an zu schwellen.
Die nähere Beschreibung der letzten trüben Tage des edlenMannes sucht unser Vers. hier zu übergehen, da er vor mehrerenJahren dieselben in seiner Schrift: „I. P. Richter in seinen letztenTagen und im Tode. Breslau 1826," dem Publikum mitgetheilthat. — Ohne daß er die Gefahr seines Zustandes ahnte, versagte ihmein Organ nach dem andern den Dienst, nur der Geruch nicht, da ersich bis in seine letzten Augenblicke noch an dem Duste der ihm vor-gehaltenen Blumen erquickte. In den letzten Stunden war seine gei-stige Kraft nur durch Schlaf und Lethargie, aber nicht durch eigent-liche Schwäche unterbrochen, und am 14. Nov. 1825 schlummerte erschmerzlos für immer ein. Seinem Lcichenzuge wohnten alle ausge-zeichneten Familien WaireuthS bei, und er wurde mit einer, des Ab-geschiedenen würdigen Feierlichkeit begangen.
Nachdem wir nun die ganze Lebensbahn des Dichters durchlaufenhaben, und den zurückgelegten Weg noch einmal mit dem Auge messen,fragen wir unS, welcher Art ist die sonderbare Erscheinung, die sichvor unsern Blicken in diesem ganzen großen Gemälde durch fünf volleBände aufgerollt hat? — Ueber den Menschen, der dieser Erschei-nung als Folie zu Grunde liegt, kann wohl nur eine Stimme seyn:eS war ein guter, edler, hochbegabter Mensch, der hier aus unsererMitte schied. Aber der Dichter, der Künstler, der Schriftsteller? —Ausgezeichnet, sa einzig in seiner Art war auch er, und viele seinerWerke werden ohne Zweifel als Glanzpunkte unserer Literatur aufdie Nachwelt übergehen. Aber werden sie dieser Nachwelt auch alsMuster dastehen, sich darnach zu bilden? Werden sie, was so oftbehauptet und eben so oft widersprochen wurde, in unserer National-literatur Epoche machen, und ihr ein neues Gepräge, einen neuen,höhern Schwung geben, dessen Nachhall noch ferne Jahrhunderte ver-nehmen werden? Oder werden sie, als genialische Curiositätenstücke,bewundert und angestaunt stehen bleiben, isolirt und ohne Nachfolger?— Es kann nicht unsere Sache seyn, diese Fragen zu beantworten.