Spazier, Jean Paul Richter.
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Auch scheint die wahre Zeit zu dieser Antwort noch nicht gekommen.Noch sind die leidenschaftlichen Ansichten, die bei seinem Leben unteruns herrschten, nicht ganz zum Schweigen gebracht, und wie damals,so erscheint er auch noch jetzt den Freunden und den Gegnern als einaußergewöhnliches, mysteriöses Wesen, über das man, eben seinerFremdartigkeit und Unbegreiflichkeit wegen, nicht so schnell inS Reinekommen kann. Wir haben bereits im Verlaufe dieser Erzählung man-ches Urtheil anzuführen Gelegenheit gehabt von Männern keines kleinenGewichtes, und eS würde leicht seyn, deren noch mehrere anzuführen,von seinen Freunden und Verehrern, so wie von seinen Gegnern, zuwelchen letzten besonders Nicolai, Merkel, die beiden Schlegelund in den neuesten Zeiten Ludwig Ticck gehören. Aber diese Zu-sammenstellungen würden uns, wie ich fürchte, nicht viel weiter brin-gen, da sie oft in den schneidendsten Widersprüchen einander gegen-über stehen, indem die einen eben diejenigen Produktionen seinesGeistes für die reinste und höchste Blüthe der menschlichen Phantasieerklären, welche die andern für bloße Verirrungen eines sonst hoch-begabten Talentes halten, welches letztere ihm als unbestreitbar vonbeiden Parteien willig zuerkannt wird. Dieser noch dauernde Zwie-spalt der Kritiker und selbst der öffentlichen Meinung scheint zu zei-gen, daß der eigentliche Maaßstab zu seiner Beurtheilung noch nichtaufgefunden, daß die Zeit, über ihn zu richten, noch nicht gekommenist, und daß also auch wir uns jeder bestimmten Aeußerung überdiesen räthselhaften Geist, über diesen literarischen Sphynx, noch zuenthalten haben.
Unser Vers., der die Person des Dahingeschiedenen in der Nähekennen gelernt, und die Werke desselben, die er mit seltenem Fleißestudirte, bei der Abfassung seiner eigenen Schrift immer lebhaft vorsich stehen sah, sucht die auffallendste und eigentlich charakteristischeSonderbarkeit, die in beinahe allen Produktionen Jean Paul'S vor-herrschend ist, dadurch zu erklären, daß er in der Person des Dich-ters zwei geistige Naturen annimmt, die sich einander wechselweisebekämpften, und wovon die eine als Ahriman in der Jugend, undder andere, Ormuzd, im reifern Alter die Oberherrschaft gewonnenhat. Jener äußerte sich durch die Satyre, dieser durch die Phantasie'der mildesten Empfindungen. Jener Kakodämon spürt mit Luchsaugennur dem Fehlerhaften und Häßlichen nach, verachtet Welt und Men-schen, zersetzt mit kaustischer Lauge alle Empfindungen, und äußertsich bloß in Scherz oder Mißmuth, aber immer mit Spott, während