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Spazier, Jean Paul Richter.
der Agathodämon von Natur saust und ernst, aufstrebend und schöpfe-risch, in der ihn umgebenden Welt nur ein Paradies sieht, allesGemeine flieht, und nur dem Edlen und Erhabenen sich zuwendet.Beide Dämonen sollen als Zwillingsbrüder demselben Mutterschooßeentsprungen, und in ihrem geistigen Verhältnisse jenem mit dem Rückenzusammengewachsenen Zwillingspaare zu vergleichen seyn, das mit denKöpfen nach verschiedenen Weltgegenden hinsieht, und doch von ein-ander eben so wenig loskommen kann, als es vermag, sich Aug' inAug' zu schauen, so sehr auch beide streben, in fester Umarmung eineinziges Ganze zu bilden. — Aber wir fürchten sehr, daß diese soge-nannte Erklärung, die übrigens durch das ganze Buch gleich einemununterbrochenen Faden sichtbar ist, eigentlich doch wieder nichts er-klärt, sondern nur das bisher Unerklärbare durch ein neues, übrigenssehr treffendes Bild darstellt, nicht aber begreiflicher macht, als eSvor diesem Bilde auch schon gewesen ist. Ohne ergründen zu wollen,woher diese Mischung zweier so entgegengesetzter Eigenschaften ineinem Geiste komme, und wie sie sich allmälich ausgebildet habe,mögen wir uns begnügen, vorerst an den wunderbaren Erzeugnissendieses genialischen Sonderlings uns zu weiden, und uns von ihm,der es so gut verstand, aus jeder Blume Honig zu saugen, und derdas menschliche Herz bis in seine verborgensten Kammern zu ergrün-den verstand, zugleich ergötzen und belehren zu lassen. Wußte er dochwohl selbst nicht die tiefe, schmerzliche Sehnsucht zu deuten, die durchsein ganzes Leben hinzieht, und in allen seinen Werken athmet, sooft er sich auch, gleichsam muthwillig, die wehmüthige Freude zu ver-schaffen suchte, in sein Inneres hinabzusteigen, und seine eigenen gei-stigen Eingeweide zu untersuchen. Er konnte die in Göthe'S Tassoso meisterhaft geschilderte krankhafte Weiblichkeit aller großen Dichternicht verläugnen, so sehr er sich auch immerfort abmühte, jede seinerStunden streng philosophisch abzuregeln, und cS ist kein Widerspruch,zu sagen, daß in seinem charakterstarken Wesen eine gewisse Schwächevorherrschend war. Seine unermeßliche Sehnsucht nach einem ihmselbst unbekannten Etwas; seine kühnen Ausflüge der Phantasie, ver-bunden mit den weichsten, oft selbst weinenden Empfindungen, die eram liebsten nackt und ohne alle Hülle darstellte; seine ungemesscneLiebe zum Ruhm mit seiner sehr wohl gegründeten Geringschätzungder öffentlichen Meinung; sein immerwährendes Drängen nach außenund in die Gesellschaft mit seiner unbesiegbaren Neigung zum Häus-lichen, zum Stillleben und zum geistigen Nestmachen — alle diese