Spazier, Jean Paul Richter.
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und wie viele andere scheinbare Widersprüche noch scheinen in seinemInneren bald sich harmonisch unterstützend, bald auch feindlich bekäm-pfend unter einander zu liegen, und so mußte er, der sich selbst einRäthsel war, auch seinen Freunden und seinen Gegnern zugleich un-erklärlich bleiben.
Unserm Vers. aber gebührt aufrichtiger Dank, daß er uns mitdem Geiste und den Werken dieses seltenen Mannes so innig bekanntgemacht hat, als cS, bei einem Gegenstände dieser Art wohl immernur in eines Menschen Kraft liegen mag. Wir können nicht zweifeln,daß alle Leser, so verschieden auch ihre Ansichten seyn mögen, dieseSchrift mit Vergnügen und mit Nutzen durchgehen werden. Sie er-scheint uns als ein reicher Beitrag zur Kenntniß des Dichters nichtbloß, sondern zur Kenntniß der Menschen überhaupt, als ein wahresanthropologisches Erempelbuch, besser und lehrreicher, als alle gelehr-ten, in steife Regeln gebrachten Compendien, die wir bisher erhaltenhaben. Besonders gilt dieß von den beiden ersten Bänden, in wel-chen die Jugendgeschichte deS Dichters enthalten ist, und für welcheunserm Vers. allerdings durch die, obschon nur fragmentarische, Auto-biographie Richter's gar sehr vorgearbeitet wurde. Welche Anzahlvon zerstreuten oder ganz unbekannten Zügen ist hier in einem Brenn-punkt gesammelt und zu einem schönen Ganzen abgerundet, bei demnur an manchen Stellen die Flüchtigkeit der Zeichnung dem Total-eindrucke hinderlich erscheint. Durch daS Einweben kleiner, oft un-scheinbarer, aber meist sehr bezeichnender Züge erhält die Darstellungein eigenes Leben und eine Frische, so daß der Leser gar oft in demBilde seine eigene Jugend wie in einem Spiegel erblickt, und setzterst erblickt, wo durch die Lebhaftigkeit des Gemäldes fremder Zügegleichsam durch Analogie auch die eigenen, bisher nur im Dunklenstehenden ähnlichen Gegenstände beleuchtet werden. Die Erklärungenund Zergliederungen der einzelnen Werke des Dichters, der unsicht-baren Loge, deS HeöperuS, der Flegeljahre, der Lewana u. f., ent-halten sehr schätzbare und zum Verstehen dieser Schriften selbst noth-wendige Bemerkungen, und können daher nur mit Dank empfangenwerden. Denn Richter hatte unter vielen andern Eigenthümlichkeitenauch das, daß er seine Bilder, Gleichnisse und Beschreibungen immernur aus seiner Welt genommen hat, die er aus eigner Anschauungkannte, und die, für seine rege Phantasie wenigstens, reich genugwar, um von andern nichts borgen zu dürfen. Aus dieser Ursachevorzüglich wurde er auch der originelle, psychologisch reiche Dichter,