554 Spazier, Jean Paul Richter.
den wir nun in ihm bewundern. Dieselbe Ursache macht es aber auchnothwendig, seine Freunde und überhaupt die Personen zu kennen,mit welchen er einen näheren Umgang gepflogen hat, und deren Por-träte in seinen Werken aufbewahrt sind. Und dieß ist eS, was unserVers. bei jenen Erklärungen der einzelnen Romane geleistet hat. Nurmöchte er doch, unseres BedünkenS, bei diesem Geschäfte gar zu um-ständlich verfahren seyn, besonders da, wo er sich in allgemeinenReflexionen und Lobeserhebungen über diese Schriften ergießt. Derdritte Band ist beinahe ganz mit solchen Betrachtungen angefüllt, diewohl in einer Schrift über die Werke eines Autors, aber nicht ineiner Biographie desselben gesucht zu werden pflegen. Denn wie eruns oben die geistige Organisation des Dichters und die allmälicheAusbildung derselben, gleichsam die Anatomie seines Geistes, zu ge-ben, und dadurch daö Unerklärliche zu erklären sich bestrebt hat, sowill er uns auch die Struktur und das innere Gewebe jedes einzelnenRomans gleich der einer Uhr auseinander legen, und den Zweck jederFeder, jedes Rades, jedes Stiftes erklären, da wir doch nur wissenwollen, wie viel Uhr es eben sey, und ob wir unö überhaupt aufden Gang dieser Uhr verlassen können, so wie wir auch den Dichter,nicht sowohl aus den Reflexionen anderer über ihn, als vielmehr auSseinem eignen Gange, auö seinen Thaten, d. h. aus seinen Werken,kennen lernen möchten.
Da wir alles Treffliche in dieser Schrift, dessen so viel darinzu finden ist, gern und dankbar anerkennen, so mag eü uns auchgestattet seyn, desjenigen Erwähnung zu thun, was wir bei einerzweiten Auflage entfernt wünschten. Hieher gehört denn vorzüglichalles daS, was das Gepräge der Eile trägt, mit welcher öfter größerePartien deS Ganzen abgefaßt worden sind, und die der Vers. gewißselbst zu gut kennen wird, als daß sie ihm hier alle umständlich auf-gezählt werden sollten. ES wird unö erlaubt seyn, zu diesen eilighingeworfenen Stellen auch diejenigen, nicht eben seltenen, zu zählen,wo der Vers. sich gewissen dichterischen AuSbrüchen überläßt, die seinerlebhaften Phantasie und seiner an einen lebhaften und blühenden Stylgewohnten Feder eben so leicht zu werden scheinen, als sie andernschwer werden mögen, die aber eben durch diese Leichtigkeit gern zueiner luxuriösen Breite und selbst zum Schwulste führen können. Sowird z. B. im dritten Bande S. 41 erzählt, daß Richter in jenerEpoche seines Lebens das Bedürfniß eines Freundes lebhaft fühlte,und daß er denselben nicht nur in seinem Otto gesunden habe, son-