Sommerville, phys. Wissenschaften. 67
WaS S. 369 über die Berechnung der Doppelsterne gesagtwird, bedarf vieler Berichtigungen, bei denen wir uns aber hier nichtaufhalten können. Interessant ist die Zusammenstellung der Geschwin-digkeiten dieser Doppelsterne mit denen, die wir in unserem Sonnen-systeme bemerken. Die mittlere tangentiale Geschwindigkeit Merkurs,des schnellsten Planeten, beträgt nahe 23,000 geographische Meilenin einer Stunde; die Geschwindigkeit des großen Kometen von 1680beträgt im Perihel, wie wir oben gesehen haben, 264,888 Meilen ineiner Stunde. Der kleinere Stern in dem Doppelgestirn § liessemsM'is aber hat eine Umlaufszeit von 60 Jahren oder 525,960Stunden. Ist nun seine Entfernung von dem Centralsterne gleichder Entfernung des nächsten Fixsterns von der Sonne, welche letzteman (siir die Parallaxe von einer Secunde) zu vier Billionen Mei-len annimmt, so hat man für die stündliche Bewegung dieses klei-neren Sterns in seiner Bahn die Größe 2 §r: 525,960 multiplicirtmit vier Billionen, oder die stündliche Geschwindigkeit dieses Sternsbeträgt 47,784,400 Meilen, und ist daher nahe 2100 Mal größerals die des Merkurs.
S. 373 wird gesagt, daß sich noch kein rein optisches Doppel-gestirn gefunden habe, wo die beiden Sterne blos wegen der Stel-lung gegen unser Auge einander sehr nahe zu stehen scheinen, wäh-rend sie vielleicht in sehr großen Distanzen hinter einander stehen.Allein seitdem hat Struve bekanntlich den schönen Stern « I^rssmit seinem kleinen Begleiter (in der Entfernung von 43 Sekunden)als einen solchen optischen Doppelstern erkannt, und daraus die Pa-rallaxe von « I^rse zu 0.2613 Sekunden abgeleitet, woraus eineEntfernung desselben von der Sonne gleich 771,400 Halbmesser derErdbahn folgt, eine Distanz, die das Licht mit seiner außerordentlichenGeschwindigkeit doch erst in 12 Jahren durchlaufen würde. Dießwäre also einer wenigstens von den unzähligen Fixsternen, von dessenEntfernung wir eine genäherte Kenntniß haben. Der andere ist derbekannte Doppelstern Nr. 61 im Sternbilde des Schwans, dessenParallaxe nach Bessel's neuesten Bestimmungen 0".348 Secunden,oder dessen Entfernung von uns nahe 592,200 Halbmesser der Erd-bahn (jeden dieser Halbmesser zu 20,658,000 Meilen gezählt) be-trägt, eine Entfernung, welche daS Licht in nahe 9 Jahren und 3Monaten zurücklegt. Aller übrigen Fixsterne Entfernungen sind unsnoch völlig unbekannt, aber die Zeit scheint nahe zu seyn, wo auchin dieser Beziehung unsere Kenntniß deS Himmels sich erweitern wird.
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