Band 
Zweiter Band.
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lsrseli, Ouriosities ok lliteraturo.

mühsam aufgebaute Perioden, die doch dem Geiste der neueren Spra-chen und selbst ihrem Bau ganz entgegen sind — diese und verwandteEigenschaften herrschen selbst in den besten Werken der Neueren vor.Er gab den ersten Ton an, und da er nach dem Wiederaufleben derWissenschaften in den Schulen fortherrschte bis zu unsern Zeiten, soklingen diese Töne für ein dafür empfindliches Ohr noch immer nach.Gewiß, unsere gesammte moderne, sogenannte schöne Literatur würdeeine ganz andere und ohne Zweifel bessere geworden seyn, wenn stattden Römern, die Griechen die Lehrer des neueren Europas gewordenwären, und wenn man seit den Zeiten Petra rca'S statt Cicero,Tenophon in den Schulen zum Muster aufgestellt hätte. Es istbeinahe unglaublich, wie weit man, besonders in früheren Zeiten,diese Idolatrie mit Cicero getrieben hat. Einer seiner eifrigsten An-hänger war Paulus Manutius (geb. 1512, gest. 1574), einerder berühmtesten und gelehrtesten Buchdrucker seiner und aller Zeiten.Nicht eine Zeile konnte er niederschreiben, ohne sich vorher auf dasGenaueste zu versichern, daß sie ganz im Geiste und mit den ipsis-simis Licoronis verbis geschrieben sey. Ganze Monate soll er mitder Abfassung eines lateinischen Briefes an seine literarischen Freundezugebracht haben. Auch war er eS, über den sich ErasmuS vonRotterdam in seiner satyrischen Schrift, die den Titel Liosronianusführt, besonders lustig machte.

Da die Rede auf Cicero gekommen ist, so mag es nicht un-angemessen erscheinen, deS berühmten Montaigne's Ansichten überdiesen Fürsten der Redner, wie er genannt wird, hier angeführt zufinden, um so mehr, da die Stelle aus dem Werke unsers Jsraeli'Sgenommen ist, wo sie sich Vol. I. S. 58 befindet. Jöraeli hielteS nicht für gut, seine Meinung über diese Ansichten mitzutheilen,und so wollen wir dem Leser in seinem Urtheile nicht vorgreifen.

„Geradeaus zu gestehen," sagt Montaigne, „so gefällt mirseine Manier zu schreiben eben so wenig, als die aller seiner lang-gestreckten und vielfach gewundenen Nachahmer, selbst die besten unterihnen nicht ausgenommen. So oft Cicero etwas vortragen will,nehmen die Vorreden, Einleitungen, Definitionen, die Divisionenund Subdivisionen den größten Theil des VortragS weg, und wasimmer noch von eigentlichem Mark und Leben in der Sache stecke»mag, wird durch diese Vorbereitungen entnervt und weggewaschen.Wenn ich eine ganze volle Stunde mit seiner Lektüre zugebracht habe,was mir meistens schwer genug fällt, und wenn ich dann zusehen