Band 
Zweiter Band.
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Quetelet, über den Menschen.

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weil wir die eigentlichen Ursachen derselben entweder nicht kennen,oder weil sie für uns zn verwickelt sind, als daß wir sie gehörig,,und von anderen getrennt, auffassen könnten.

In der That gibt eö viele solche Erscheinungen, deren Regel«Mäßigkeit selbst einem aufmerksamen Beobachter durch längere Zeitleicht entgehen kann. So lassen sich z. B. die GeburtS- und Sterbe-listen eines Volkes, das in seinen Bergen abgeschlossen lebt, und vonallen Einflüssen seiner Nachbarn unberührt bleibt, viel leichter undschneller bestimmen, als die einer sehr volkreichen Handelsstadt, inwelcher eine immer wiederkehrende Ebbe und Fluth von fremden Gä-sten Statt hat. In der letzten werden die Abweichungen der jährli-chen Beobachtungen von ihrer Mittelzahl, oder es werden die Ampli-tuden der jährlichen Veränderungen viel größer seyn, als in jenemLande; aber die Erscheinung selbst, das oben ausgestellte Gesetz dergroßen Zahlen, wird deshalb nicht weniger für beide Orte gelten,und der ganze Unterschied zwischen ihnen wird nur darin bestehen,daß man in dieser Stadt eine größere Anzahl von länger fortgesetztenBeobachtungen braucht, um jenes constante Verhältniß zu bestim-men, als dieß für ein isolirteS Landvolk nöthig seyn wird.

Eben so kann eS sich wohl ereignen, daß dieses constante Ver-hältniß mit der Zeit gewissen Aenderungen unterworfen ist, wenn näm-lich die Ursachen sich ändern, die jene Erscheinungen herausgeführthaben. So wird sich die Mortalitätstasel eines Volkes ändern, oderdie Sterblichkeit desselben wird zunehmen, wenn anhaltende Kriege,Mißjahre, Epidemien u. f. auf demselben lasten, so wie sie wiederabnehmen wird, wenn z. B. durch die Einführung der Impfung derbisherigen Verheerung der Pocken gesteuert, wenn Sümpfe ausge-trocknet werden, wenn der Hang zur Unmäßigkeit, besonders zur Trun-kenheit, bei den unteren Klassen vermindert, wenn überhaupt die Liebezur Ordnung, zur Reinlichkeit und zur Kultur jeder Art befördertwird.

An diesen letzten Beispielen aber sieht man schon, daß jenesGesetz nicht bloß auf die materiellen, sondern auch auf die geistigenErscheinungen in der Natur sich bezieht, und daß diese letzten nichtminder als jene ersten sich ebenfalls gleichsam wägen und messen, unddaher durch Zahlen ausdrücken lassen werden. Denn wenn einebessere Erziehung, wenn erhöhte Kultur und gesteigerte Sittlichkeit dieListe unserer Trunkenbolde und die Anzahl der jährlichen Todten inunseren Mortalitätötafcln vermindert, warum sollte sie nicht auch dieLittrow ii. ZZ